Tag 1 – Abreise und Ankunft in Lima (30.01.)
Der Tag begann früh. Sehr früh. Um 05:15 Uhr machten wir uns auf den Weg zum Flughafen, zu einer Uhrzeit, zu der selbst der Kaffee noch verschlafen wirkt. Vor der Reise hatte Steffi leider schon mit einer Erkältung zu kämpfen, aber sie versuchte, sich tapfer abzulenken. Bewaffnet mit einem Buch über den Amazonasregenwald, indigene Völker und das Leben in der Natur. Ironischerweise würden wir den Amazonas erst später bereisen. Aber geistig waren wir schon dort. Die Vorfreude auf Peru war einfach zu groß, um uns von ein paar Symptomen aufhalten zu lassen. Abenteuer schlägt Erkältung.
Der Flug startete pünktlich um 08:15 Uhr, was uns kurz glauben ließ, heute würde alles reibungslos laufen. Nach mehreren Stunden in der Luft landeten wir schließlich um 18:10 Uhr in Lima. Die Einreise verlief problemlos, ein kleines Wunder nach diesem langen Tag, und kurz darauf hielten wir unseren Mietwagen in den Händen. Freiheit! Also theoretisch. Praktisch bedeutete das erst mal peruanischer Verkehr bei Nacht.
Vor uns lag eine knapp 1,5 stündige Fahrt (90 km) zu unserer Unterkunft. Trotz Müdigkeit war die Vorfreude auf die kommenden Tage riesig. Die Fahrt durch die nächtliche Landschaft bot erste Eindrücke von Peru: wuselige Straßen, endlose Lichter und riesige, wirklich absurd riesige, Werbeplakate, die aussahen, als würden sie versuchen, den Mond zu überstrahlen. Alles wirkte surreal, fast wie ein schlecht animiertes Videospiel. Außerhalb der Metropole wurde es dann plötzlich dunkel und leer, was den Kontrast zur grellen Werbung nur noch verstärkte.
Endlich angekommen, erreichten wir unsere erste Unterkunft. Leider bekamen wir nicht das Zimmer, das wir zuvor gesehen hatten. Aber Reisen wären ja langweilig, wenn alles funktionieren würde. Wir nahmen das Zimmer trotzdem. Es war spät, wir waren müde und wollten Diskussionen vermeiden.
Direkt vor unserer Haustür sahen wir den Pazifik und hörten in etwas weiterer Entfernung Seelöwen. Ja, hörten. Und zwar sehr deutlich. Steffi hatte extra ein Fernglas für die Perureise gekauft, und nun hatte es endlich seinen großen Moment. Mit Oreo und Cola Zero bewaffnet stellten wir uns an eine Mauer direkt am Wasser und beobachteten im Dunkeln die Seelöwen.
Nach einer Weile dachten wir uns: Komm, ein bisschen näher geht noch. Gesagt, getan. Uns trennte schließlich nur noch eine Mauer von den Seelöwen. Sie waren riesig. Es musste eine Familie sein. Der erste war der größte, daneben ein etwas voluminöserer Seelöwe, der sich liebevoll an den anderen kuschelte und ihn mit der Schwimmflosse umklammerte. Fast schon romantisch. Dahinter lag das kleinste Tier, das sich im Schlaf unruhig bewegte.
Es roch stark nach Meer, Seetang und sehr viel Fisch. Ein Duft, der mit jeder Welle neu serviert wurde. Uns war vorher nicht bewusst, wie laut Seelöwen atmen. Man konnte sehen, wie sich ihre Bauchdecken hoben und senkten, begleitet von Geräuschen, die irgendwo zwischen Schnarchen und Monsterfilm lagen. Beeindruckend. Und leicht einschüchternd.
Irgendwann gewann die Müdigkeit dann doch. Auf dem Rückweg zur Unterkunft begegneten uns riesige Kakerlaken, die über die Felswände krabbelten. Zuerst hielten wir sie für exotische Käfer, eine kurze Phase der Bewunderung, die sehr schnell in Gelächter umschlug, als uns klar wurde, dass es einfach nur Kakerlaken waren.
Zurück in der Unterkunft legten wir uns ins Bett. Die Unterkunft war nicht besonders gepflegt, was Steffi ein leichtes Unbehagen bereitete, und so schlief sie steif wie ein Brett ein. Für Luca war das nichts Neues, für Steffi allerdings schon. Ganz neue Welten, an die sie sich erst gewöhnen musste. Aber davon später mehr. Zum Beispiel davon, dass Heizungen in Peru eher ein Gerücht sind.
Tag 2 – Laguna de Morón und die postapokalyptische Ruine (31.01.)
Nach einer erholsamen Nacht brachen wir früh auf. Unser Ziel: die Laguna de Morón, eine versteckte Oase mitten in der Wüste. Die Strecke von 197 Kilometern sollte laut Navi in 1 Stunde und 50 Minuten machbar sein. Laut Navi. Wir beschlossen trotzdem, uns Zeit zu lassen. Die Wüste läuft schließlich nicht weg.
Das erste Ziel auf dem Weg sollte eine postapokalyptische Ruine sein. In unseren Köpfen entstanden sofort Bilder von zerfallenen Gebäuden, rostenden Metallstrukturen und verlassenen Straßen. Perfektes Endzeitgefühl. Vor Ort standen wir dann allerdings vor einer dichten Nebelwand. Apokalypsestimmung vorhanden, Aussicht vollständig abgeschafft.
Trotzdem fühlte es sich an wie eine Reise in eine andere Welt. Diese karge Weite war beeindruckend. Die Enttäuschung, keine Fotos machen zu können, verschwand schnell, denn unsere Augen hatten genug damit zu tun, alles aufzunehmen. Beige Dünen filterten das Licht und ließen alles weich und surreal wirken, als hätte die Natur hier ganz in Ruhe alles zurückerobert, mit sehr viel Sand und sehr wenig Gnade. Ab und zu entdeckten wir Spuren im Sand, vielleicht von einem Fuchs oder einer Eidechse. Oder von jemandem, der hier aufgegeben hat.
Schließlich erreichten wir die Laguna de Morón. Und dann: Boom. Eine türkisfarbene Lagune, umgeben von hohen Dünen, lag friedlich vor uns. So schön, dass man kurz vergisst, wie anstrengend der Weg war. Wir spazierten am Wasser entlang, genossen die Ruhe und versuchten, diesen Ort mental für schlechte Tage abzuspeichern.
Doch stillsitzen konnten wir nicht lange. Die umliegende Wüste sah einfach zu verlockend aus. Also beschlossen wir, die Dünen zu erklimmen.
Unsere Wanderung begann am Rand der Lagune. Der Sand war weich und warm unter unseren Füßen. Diese Wärme war beinahe einschläfernd angenehm. Schon nach wenigen Minuten wurde die Lagune hinter uns kleiner, während sich vor uns eine scheinbar endlose Landschaft aus geschwungenen Dünen ausbreitete, die in Gold und Orangetönen leuchtete.
Mit jedem Schritt wurde klar: Sand ist ein schlechter Freund. Die Sonne brannte unbarmherzig vom Himmel, als hätte sie heute extra Motivation. Doch der Ausblick machte alles wett. Absolute Stille. Nur der Wind und das leise Rascheln des Sands. Nach etwa einer Stunde erreichten wir den höchsten Punkt einer Düne. Von dort aus lag die Lagune tief unter uns wie eine grüne Oase, während sich in der anderen Richtung nichts als Wüste erstreckte. Wirklich nichts. Wir machten Pause, tranken Wasser und fühlten uns für einen kurzen Moment wie große Entdecker, mit Sonnenbrandrisiko.
Der Abstieg war deutlich angenehmer. Wir rannten die Dünen hinunter, der Sand rutschte unter unseren Füßen weg, als würden wir über Wolken laufen, nur um Sekunden später wieder tief im warmen Sand zu versinken. Zurück an der Lagune spürten wir die Hitze des Tages deutlich. Die Wanderung hatte uns körperlich gefordert, mental beeindruckt und emotional sehr glücklich gemacht, als wären wir für einen Moment in eine völlig andere, sandige Welt eingetaucht.
Nach unserer Wanderung durch die Dünen der Laguna de Morón, mit Beinen wie Wackelpudding und Sand an Stellen, von denen wir nicht wussten, dass sie existieren, setzten wir unsere Reise fort. Unser nächstes Ziel: der berühmte Playa Roja, etwa 70 Kilometer entfernt. Laut Navi sollte die Strecke rund 1 Stunde und 20 Minuten dauern. Klang machbar. Also schüttelten wir den Sand aus Schuhen, Kleidung und vermutlich auch aus der Seele, kletterten zurück ins Auto und fuhren weiter, auf der Suche nach dem nächsten „Wow Moment“ und dringend nach Sitzgelegenheiten.
Playa Roja – Der rote Strand
Der Playa Roja war ein faszinierender Kontrast zur trockenen Wüste, die wir gerade hinter uns gelassen hatten. Statt Beige in allen erdenklichen Schattierungen erwartete uns hier plötzlich ein Strand in Rostrot. Seine markante Farbe verdankt der Playa Roja dem hohen Eisengehalt des vulkanischen Gesteins, das von den Wellen über die Zeit fein zermahlen wird. Wissenschaftlich beeindruckend, optisch einfach nur ein absoluter Wow Moment.
Das satte Rot des Sandes im Kontrast zum tiefblauen Ozean war so schön, dass man kurz vergisst, wie sandig man eigentlich noch ist. Leider war genau der Teil des Strandes, den wir uns perfekt für das Foto ausgemalt hatten, abgesperrt. Natürlich. Also hieß es: Plan B. Ein bisschen Perspektive ändern, ein bisschen improvisieren und so tun, als wäre alles genauso geplant gewesen.
Nach einer kurzen Pause widmeten wir uns dann einer sehr wichtigen Mission: dem Sand, den wir noch von der Laguna de Morón in unseren Schuhen hatten. Trotz intensiver Bemühungen wurde schnell klar, dass dieser Sand beschlossen hatte, für immer bei uns zu bleiben. Dennoch fühlte es sich gut an, es zumindest versucht zu haben.
Anschließend machten wir uns auf den Weg zu unserer nächsten Unterkunft: dem Bananas Adventure Hostel in Huacachina. Die 85 Kilometer lange Strecke dauerte etwa 1 Stunde und 30 Minuten. Zurück im Auto, leicht müde, gut gelaunt und immer noch mit Sand als treuem Reisebegleiter, fuhren wir weiter, bereit für das nächste Abenteuer.
Ankunft in Huacachina
Huacachina ist eine der bekanntesten Oasen der Welt und wurde zu einer kleinen Siedlung ausgebaut, eine grüne Miniinsel mitten in einer Wüste, die eigentlich anderes vorhatte. Natürlich ist Huacachina nicht die einzige Oase in der Region. Es gibt zum Beispiel die Laguna de Morón, die wir zuvor besucht hatten. Sie ist ebenfalls eine natürliche Oase, allerdings deutlich ruhiger, weniger besucht und spürbar ursprünglicher. Dort begegnet man hauptsächlich Sand, Stille und irgendwann auch sich selbst. Huacachina hingegen ist eindeutig die lebhaftere Variante, mit Cafés, Hotels und deutlich mehr Menschen, die wissen, wo der nächste Cappuccino ist.
Der Abstieg war deutlich angenehmer. Wir rannten die Dünen hinunter, der Sand rutschte unter unseren Füßen weg, als würden wir über Wolken laufen, nur um Sekunden später wieder tief im warmen Sand zu versinken. Zurück an der Lagune spürten wir die Hitze des Tages deutlich. Die Wanderung hatte uns körperlich gefordert, mental beeindruckt und emotional sehr glücklich gemacht, als wären wir für einen Moment in eine völlig andere, sandige Welt eingetaucht.
Nach unserer Wanderung durch die Dünen der Laguna de Morón, mit Beinen wie Wackelpudding und Sand an Stellen, von denen wir nicht wussten, dass sie existieren, setzten wir unsere Reise fort. Unser nächstes Ziel: der berühmte Playa Roja, etwa 70 Kilometer entfernt. Laut Navi sollte die Strecke rund 1 Stunde und 20 Minuten dauern. Klang machbar. Also schüttelten wir den Sand aus Schuhen, Kleidung und vermutlich auch aus der Seele, kletterten zurück ins Auto und fuhren weiter, auf der Suche nach dem nächsten „Wow Moment“ und dringend nach Sitzgelegenheiten.
3 Fragen an Luca
Wie bist du auf das Thema Lost Places aufmerksam geworden?
Bereits seit meiner Jugend, viel mehr seit meiner Kindheit, hat mich das unbekannte, gefühlt unerforschte fasziniert. Von Menschen gebaute Tempel im Dschungel, wie bei Tomb Raider oder Indiana Jones, haben mich immer beeindruckt. Meine Familie kommt teils aus dem Ruhrgebiet. Ich war also immer ein wenig mit dem Thema Zechen und Industriekultur, in Verbindung mit dem wirtschaftlichen Untergang konfrontiert. Es gibt eine verlassene Zeche die nur unweit der Wohnung steht, in der ich aufgewachsen bin. Auf dem Gelände der alten Zeche, arbeitete ich ebenfalls einige Jahre. Mit knapp 15 Jahren besuchte ich dann die ersten, heutigen Klassiker-Lost-Places in Nordrhein-Westfalen. Nur mit Fahrrad und einem alten Handy bewaffnet, erkundete ich die ersten Ruinen.
Wenn du einen Favoriten-Lost-Place wählen müsstest, welcher wäre es?
Wenn ich ein Land wählen müsste wäre es wohl Italien. Dort habe ich bis heute die meisten tollen Orte entdeckt. Ich bin ein Riesen-Fan von Manicomios. Verlassene Psychatrien die komplex und Groß wie kleine eigene Städte da stehen. Jedes dieser Manicomios erzählen unendliche, spannende aber auch tragische Geschichten. Mittlerweile bin ich auch viel mit meiner Drohne unterwegs um spannende andere Motive zu entdecken. Gerne dazu einen Blick in die Galerie werfen. Wie ihr lesen könnt ist das Thema über verlassene Orte super komplex und es fällt mir wirklich schwer mich für einen Ort festzulegen. Wenn es einer sein muss, dann entscheide ich mich für die Kellenföld Powerstation in Ungarn. Ein einmalig spannendes Erlebnis. Wir irrten Stunden umher um einen Weg in das verlassene Kraftwerk zu finden. Völlig verzweifelt, verdreckt von Oben bis Unten standen wir dann irgendwann nach einer Kletteraktion durch Luftschächte in dem einmaligen Industriedenkmal(sieht man oben im ersten Bild). Ein unfassbares Erlebnis.