Tag 1 – Abreise und Ankunft in Lima (30.01.)
Der Tag begann früh. Sehr früh. Um 05:15 Uhr machten wir uns auf den Weg zum Flughafen, zu einer Uhrzeit, zu der selbst der Kaffee noch verschlafen wirkt. Vor der Reise hatte Steffi leider schon mit einer Erkältung zu kämpfen, aber sie versuchte, sich tapfer abzulenken. Bewaffnet mit einem Buch über den Amazonasregenwald, indigene Völker und das Leben in der Natur. Ironischerweise würden wir den Amazonas erst später bereisen. Aber geistig waren wir schon dort. Die Vorfreude auf Peru war einfach zu groß, um uns von ein paar Symptomen aufhalten zu lassen. Abenteuer schlägt Erkältung.
Der Flug startete pünktlich um 08:15 Uhr, was uns kurz glauben ließ, heute würde alles reibungslos laufen. Nach mehreren Stunden in der Luft landeten wir schließlich um 18:10 Uhr in Lima. Die Einreise verlief problemlos, ein kleines Wunder nach diesem langen Tag, und kurz darauf hielten wir unseren Mietwagen in den Händen. Freiheit! Also theoretisch. Praktisch bedeutete das erst mal peruanischer Verkehr bei Nacht.
Von Lima nach Pucusana
Vor uns lag eine knapp 1,5 stündige Fahrt (90 km) zu unserer Unterkunft. Trotz Müdigkeit war die Vorfreude auf die kommenden Tage riesig. Die Fahrt durch die nächtliche Landschaft bot erste Eindrücke von Peru: wuselige Straßen, endlose Lichter und riesige, wirklich absurd riesige, Werbeplakate, die aussahen, als würden sie versuchen, den Mond zu überstrahlen. Alles wirkte surreal, fast wie ein schlecht animiertes Videospiel. Außerhalb der Metropole wurde es dann plötzlich dunkel und leer, was den Kontrast zur grellen Werbung nur noch verstärkte.
Endlich angekommen, erreichten wir unsere erste Unterkunft. Leider bekamen wir nicht das Zimmer, das wir zuvor gesehen hatten. Aber Reisen wären ja langweilig, wenn alles funktionieren würde. Wir nahmen das Zimmer trotzdem. Es war spät, wir waren müde und wollten Diskussionen vermeiden.
Direkt vor unserer Haustür sahen wir den Pazifik und hörten in etwas weiterer Entfernung Seelöwen. Ja, hörten. Und zwar sehr deutlich. Steffi hatte extra ein Fernglas für die Perureise gekauft, und nun hatte es endlich seinen großen Moment. Mit Oreo und Cola Zero bewaffnet stellten wir uns an eine Mauer direkt am Wasser und beobachteten im Dunkeln die Seelöwen.
Nach einer Weile dachten wir uns: Komm, ein bisschen näher geht noch. Gesagt, getan. Uns trennte schließlich nur noch eine Mauer von den Seelöwen. Sie waren riesig. Es musste eine Familie sein. Der erste war der größte, daneben ein etwas voluminöserer Seelöwe, der sich liebevoll an den anderen kuschelte und ihn mit der Schwimmflosse umklammerte. Fast schon romantisch. Dahinter lag das kleinste Tier, das sich im Schlaf unruhig bewegte.
Es roch stark nach Meer, Seetang und sehr viel Fisch. Ein Duft, der mit jeder Welle neu serviert wurde. Uns war vorher nicht bewusst, wie laut Seelöwen atmen. Man konnte sehen, wie sich ihre Bauchdecken hoben und senkten, begleitet von Geräuschen, die irgendwo zwischen Schnarchen und Monsterfilm lagen. Beeindruckend. Und leicht einschüchternd.
Irgendwann gewann die Müdigkeit dann doch. Auf dem Rückweg zur Unterkunft begegneten uns riesige Kakerlaken, die über die Felswände krabbelten. Zuerst hielten wir sie für exotische Käfer, eine kurze Phase der Bewunderung, die sehr schnell in Gelächter umschlug, als uns klar wurde, dass es einfach nur Kakerlaken waren.
Zurück in der Unterkunft legten wir uns ins Bett. Die Unterkunft war nicht besonders gepflegt, was Steffi ein leichtes Unbehagen bereitete, und so schlief sie steif wie ein Brett ein. Für Luca war das nichts Neues, für Steffi allerdings schon. Ganz neue Welten, an die sie sich erst gewöhnen musste. Aber davon später mehr. Zum Beispiel davon, dass Heizungen in Peru eher ein Gerücht sind.
Tag 2 – Laguna de Morón und die postapokalyptische Ruine (31.01.)
Nach einer erholsamen Nacht brachen wir früh auf. Unser Ziel: die Laguna de Morón, eine versteckte Oase mitten in der Wüste. Die Strecke von 197 Kilometern sollte laut Navi in 1 Stunde und 50 Minuten machbar sein. Laut Navi. Wir beschlossen trotzdem, uns Zeit zu lassen. Die Wüste läuft schließlich nicht weg.
Das erste Ziel auf dem Weg sollte eine postapokalyptische Ruine sein. In unseren Köpfen entstanden sofort Bilder von zerfallenen Gebäuden, rostenden Metallstrukturen und verlassenen Straßen. Perfektes Endzeitgefühl. Vor Ort standen wir dann allerdings vor einer dichten Nebelwand. Apokalypsestimmung vorhanden, Aussicht vollständig abgeschafft.
Trotzdem fühlte es sich an wie eine Reise in eine andere Welt. Diese karge Weite war beeindruckend. Die Enttäuschung, keine Fotos machen zu können, verschwand schnell, denn unsere Augen hatten genug damit zu tun, alles aufzunehmen. Beige Dünen filterten das Licht und ließen alles weich und surreal wirken, als hätte die Natur hier ganz in Ruhe alles zurückerobert, mit sehr viel Sand und sehr wenig Gnade. Ab und zu entdeckten wir Spuren im Sand, vielleicht von einem Fuchs oder einer Eidechse. Oder von jemandem, der hier aufgegeben hat.
Schließlich erreichten wir die Laguna de Morón. Und dann: Boom. Eine türkisfarbene Lagune, umgeben von hohen Dünen, lag friedlich vor uns. So schön, dass man kurz vergisst, wie anstrengend der Weg war. Wir spazierten am Wasser entlang, genossen die Ruhe und versuchten, diesen Ort mental für schlechte Tage abzuspeichern.
Doch stillsitzen konnten wir nicht lange. Die umliegende Wüste sah einfach zu verlockend aus. Also beschlossen wir, die Dünen zu erklimmen.
Unsere Wanderung begann am Rand der Lagune. Der Sand war weich und warm unter unseren Füßen. Diese Wärme war beinahe einschläfernd angenehm. Schon nach wenigen Minuten wurde die Lagune hinter uns kleiner, während sich vor uns eine scheinbar endlose Landschaft aus geschwungenen Dünen ausbreitete, die in Gold und Orangetönen leuchtete.
Mit jedem Schritt wurde klar: Sand ist ein schlechter Freund. Die Sonne brannte unbarmherzig vom Himmel, als hätte sie heute extra Motivation. Doch der Ausblick machte alles wett. Absolute Stille. Nur der Wind und das leise Rascheln des Sands. Nach etwa einer Stunde erreichten wir den höchsten Punkt einer Düne. Von dort aus lag die Lagune tief unter uns wie eine grüne Oase, während sich in der anderen Richtung nichts als Wüste erstreckte. Wirklich nichts. Wir machten Pause, tranken Wasser und fühlten uns für einen kurzen Moment wie große Entdecker, mit Sonnenbrandrisiko.
Laguna de Morón
Der Abstieg war deutlich angenehmer. Wir rannten die Dünen hinunter, der Sand rutschte unter unseren Füßen weg, als würden wir über Wolken laufen, nur um Sekunden später wieder tief im warmen Sand zu versinken. Zurück an der Lagune spürten wir die Hitze des Tages deutlich. Die Wanderung hatte uns körperlich gefordert, mental beeindruckt und emotional sehr glücklich gemacht, als wären wir für einen Moment in eine völlig andere, sandige Welt eingetaucht.
Nach unserer Wanderung durch die Dünen der Laguna de Morón, mit Beinen wie Wackelpudding und Sand an Stellen, von denen wir nicht wussten, dass sie existieren, setzten wir unsere Reise fort. Unser nächstes Ziel: der berühmte Playa Roja, etwa 70 Kilometer entfernt. Laut Navi sollte die Strecke rund 1 Stunde und 20 Minuten dauern. Klang machbar. Also schüttelten wir den Sand aus Schuhen, Kleidung und vermutlich auch aus der Seele, kletterten zurück ins Auto und fuhren weiter, auf der Suche nach dem nächsten „Wow Moment“ und dringend nach Sitzgelegenheiten.
Playa Roja – Der rote Strand
Der Playa Roja war ein faszinierender Kontrast zur trockenen Wüste, die wir gerade hinter uns gelassen hatten. Statt Beige in allen erdenklichen Schattierungen erwartete uns hier plötzlich ein Strand in Rostrot. Seine markante Farbe verdankt der Playa Roja dem hohen Eisengehalt des vulkanischen Gesteins, das von den Wellen über die Zeit fein zermahlen wird. Wissenschaftlich beeindruckend, optisch einfach nur ein absoluter Wow Moment.
Das satte Rot des Sandes im Kontrast zum tiefblauen Ozean war so schön, dass man kurz vergisst, wie sandig man eigentlich noch ist. Leider war genau der Teil des Strandes, den wir uns perfekt für das Foto ausgemalt hatten, abgesperrt. Natürlich. Also hieß es: Plan B. Ein bisschen Perspektive ändern, ein bisschen improvisieren und so tun, als wäre alles genauso geplant gewesen.
Nach einer kurzen Pause widmeten wir uns dann einer sehr wichtigen Mission: dem Sand, den wir noch von der Laguna de Morón in unseren Schuhen hatten. Trotz intensiver Bemühungen wurde schnell klar, dass dieser Sand beschlossen hatte, für immer bei uns zu bleiben. Dennoch fühlte es sich gut an, es zumindest versucht zu haben.
Anschließend machten wir uns auf den Weg zu unserer nächsten Unterkunft: dem Bananas Adventure Hostel in Huacachina. Die 85 Kilometer lange Strecke dauerte etwa 1 Stunde und 30 Minuten. Zurück im Auto, leicht müde, gut gelaunt und immer noch mit Sand als treuem Reisebegleiter, fuhren wir weiter, bereit für das nächste Abenteuer.
Ankunft in Huacachina
Huacachina ist eine der bekanntesten Oasen der Welt und wurde zu einer kleinen Siedlung ausgebaut, eine grüne Miniinsel mitten in einer Wüste, die eigentlich anderes vorhatte. Natürlich ist Huacachina nicht die einzige Oase in der Region. Es gibt zum Beispiel die Laguna de Morón, die wir zuvor besucht hatten. Sie ist ebenfalls eine natürliche Oase, allerdings deutlich ruhiger, weniger besucht und spürbar ursprünglicher. Dort begegnet man hauptsächlich Sand, Stille und irgendwann auch sich selbst. Huacachina hingegen ist eindeutig die lebhaftere Variante, mit Cafés, Hotels und deutlich mehr Menschen, die wissen, wo der nächste Cappuccino ist.
Oasenspaß
Ein kleiner, aber nicht ganz unwichtiger Unterschied: Huacachina erhält zusätzlich Wasserzuflüsse aus der nahegelegenen Stadt Ica, um den Wasserstand der Lagune stabil zu halten. Die Laguna de Morón kommt hingegen komplett ohne städtische Unterstützung aus. Kein Nachfüllen, kein Backup, einfach Natur pur. Zwei Oasen, zwei völlig unterschiedliche Stimmungen: die eine ruhig und ursprünglich, die andere lebendig und gut organisiert. Beide auf ihre eigene Art beeindruckend. Schon bei der Ankunft in der ersten Straße wurden wir durch das Autofenster freundlich von Einheimischen angesprochen, welches Hotel wir suchen. Natürlich wussten wir längst, wo wir hinmussten, aber die Hilfsbereitschaft war so herzlich, dass wir an fast jeder Straßenecke erneut „empfangen“ wurden. Huacachina schien ein Ort zu sein, an dem man sich selbst dann willkommen fühlt, wenn man eigentlich schon angekommen ist.
Als wir schließlich unser Hotel erreichten, war die Freude riesig. Endlich da, an diesem unwirklichen Ort mitten in der Wüste. Wir holten unser Gepäck aus dem Kofferraum und begaben uns zum Einchecken. Die Empfangsdame erklärte uns alles sehr ordentlich und ausführlich, inklusive sämtlicher Informationen über das Hotel, die wir in diesem Moment aufmerksam anhörten und innerlich hofften, sie uns merken zu können. Auf dem Zimmer angekommen legten wir eine kurze Pause ein, zogen uns um und machten uns direkt wieder auf den Weg nach draußen. Der Weg zur Oase war nicht weit, denn unser Hotel befand sich direkt davor. Als wir die Treppe hinuntergingen, spürten wir sofort die besondere Atmosphäre dieses Ortes. Grüne Palmen säumten die Lagune, dazwischen standen Eukalyptus und Johannisbrotbäume, als hätten sie sich heimlich mit der Oase verabredet. Rund um die Lagune reihten sich gemütliche kleine Cafés und Hotels aneinander, und dahinter ragten die riesigen Dünen auf. Sie hoben sich samtig vom satten Grün des Wassers ab, ein Anblick, der einen kurz vergessen lässt, dass man eigentlich mitten in einer Wüste steht. Huacachina fühlte sich an wie ein Ort, der eigentlich nicht existieren dürfte und genau deshalb so besonders ist.
Der erste Abend in Huacachina war wunderschön. Als es langsam dunkel wurde, wirkte alles noch viel glitzernder, weil sich die Lichter rund um die Oase in der Lagune spiegelten. Die Laternen entlang der steinernen Wege strahlten in einem weichen, weißen Licht, und irgendwie lag eine besondere Aura über diesem Ort, ruhig, warm und fast ein bisschen unwirklich. Am Ufer konnten wir kleine Boote sehen, die tagsüber noch aktiv gewesen waren. Jetzt lagen sie friedlich am Rand der Lagune, schaukelten sanft im Wasser und sahen aus, als wären sie gemeinsam mit der Oase eingeschlafen. Es war einer dieser Momente, in denen man automatisch leiser wird, weil man die Stimmung nicht stören möchte.
Langsam machte sich die Müdigkeit bemerkbar, aber wir hatten ja noch gar nichts gegessen. Trinken stand an diesem Abend eindeutig im Hintergrund, unser Fokus lag ganz klar auf Essen. Also machten wir uns auf den Rückweg. Am Hotel angekommen wurden wir von guter Musik empfangen, die uns freundlich dazu einlud, unten noch etwas essen zu gehen. Widerstand war zwecklos. Die Auswahl war groß: Burger, Pizza und verschiedene Gerichte, die für uns noch völlig unbekanntes kulinarisches Neuland waren. Während wir uns durch die Speisekarte arbeiteten, meldete sich Steffis Hustenreiz zurück, der sich den ganzen Tag erstaunlich gut zurückgehalten hatte und offenbar beschlossen hatte, jetzt wieder Teil der Reise zu sein.
Wir suchten uns einen ruhigen Sitzplatz und bestellten unser Essen. Steffi entschied sich für einen Burger, Luca für Pommes mit Würstchen. Klingt simpel, heißt in Peru aber Salchipapas. Eine Art „Loaded Fries“ auf peruanische Art: Pommes mit gebratenen Würstchen, Aji Salsa und weiteren Dips wie Senf, Mayo und Ketchup. Der Name des Gerichts erklärt sich ganz von selbst: „Salchichas“ für Würstchen und „Papas“ für Kartoffeln. Praktisch, ehrlich und sehr überzeugend. Das Gericht wurde in Lima erfunden, vermutlich in den 1950er Jahren, als schnelles, günstiges und sättigendes Essen für alle, und verbreitete sich von dort in andere Länder wie Kolumbien, Bolivien und Ecuador. So, genug Hintergrundwissen. Wir sind hier schließlich nicht in einem Kochstudio. Mit vollem Magen, müden Beinen und dieser besonderen Abendstimmung im Herzen ließen wir den ersten Tag in Huacachina langsam ausklingen, dankbar, angekommen zu sein und gespannt auf alles, was noch kommen würde.
Tag 3 – Huacachina: Sand, Action und ein bisschen Geschichte (01.02.)
Heute war Huacachina Tag und das bedeutete: Palmen, Sand und jede Menge Spaß. Schon früh am Morgen schlichen wir uns in die Oase, noch bevor die Touristenmassen kamen, um das magische Licht der aufgehenden Sonne einzufangen. Das satte Grün der Palmen, der goldgelbe Sand und das spiegelnde Wasser waren einfach perfekt zum Fotografieren und auch ein bisschen zum Staunen. Wer hat hier eigentlich Photoshop installiert?
Gegen Mittag entschieden wir uns spontan, Quads zu leihen und die Sandlandschaften rund um Ica zu erkunden. Nach einer 20 minütigen Fahrt begrüßte uns eine nette Dame, händigte uns Helme aus und erklärte alles mit Händen, Füßen und etwas Englisch. Alleine mit einem Quad durch die Wüste zu fahren, war unglaublich cool. Nur hing Steffi an manchen steilen Hängen etwas hinterher, weil entweder das Quad zu schwach war oder ihre Fahrkünste noch ausbaufähig waren. Vielleicht auch beides. Egal, die Landschaft war der Wahnsinn: hellgrauer Sand, wie wir ihn noch nie gesehen hatten.
Action in der Wüste
Nach circa 30 Minuten war der Spaß leider schon vorbei. Wir hielten noch kurz an, um ein paar coole Videos und Fotos zu machen, bevor wir zurück zum Bananas Adventure Hostel gebracht wurden.
Am späten Nachmittag holten wir unser Fotoequipment. Der Rucksack war inzwischen so sandig, dass er wahrscheinlich dachte, er hätte sich selbst einen Urlaub verdient. Aber bei uns gibt es keinen „Tag Pause“. Einer wird sofort unruhig, der andere zieht heimlich mit, und schon geht es weiter mit der nächsten Entdeckung.
Also machten wir uns wieder auf den Weg, diesmal für die Sandbuggy Fahrt durch die Wüste. Unterwegs holten wir uns noch ein Eis. Beere, direkt aus der Plastiktüte. Sehr traditionell, sehr lecker und ja, man kann dabei auch ein kleines Sandkorn mitessen, wenn man Pech hat.
Die Fahrt mit dem Buggy war ein einziger Adrenalinkick. Zwischen steilen Anstiegen, fast schwerelosen Sprüngen und dem ständigen Kampf, dass der Rucksack nicht über Bord geht, lachten wir die ganze Zeit. Luca rutschte auf dem Sandboard steile Dünen hinunter, wir machten lustige Videos und Fotos und standen sogar auf dem Buggy für den ultimativen „Action Shot“.
Videozeit in der Wüste
Hier könnt ihr unser Video aus unserer Zeit in der peruanischen Wüste ansehen. Die Aufnahmen geben noch einmal einen ganz anderen Eindruck davon, wie sich diese Tage wirklich angefühlt haben. Endlose Dünenlandschaften, Sand wirklich in jeder einzelnen Ritze, rasante Fahrten durch die Wüste, warme Abendstimmungen und Sonnenuntergänge, die man so schnell nicht vergisst.
Zwischen Huacachina und der abgelegenen Laguna de Morón fühlte sich vieles eher wie eine Filmszene an als wie Realität. Mal völlige Ruhe mitten in den Dünen, mal pures Adrenalin bei den Fahrten durch den Sand. Genau diese Mischung machte die Zeit dort für uns so besonders.
Mit dem Video möchten wir euch noch ein Stück näher an dieses Gefühl heranbringen und euch zeigen, warum uns die Wüste Perus so begeistert hat.
Viel Spaß beim Anschauen.
Sand, so viel Sand
Langsam setzte die Dämmerung ein. Wir erklommen die höchste Düne und packten die Kamera aus. Plötzlich kam unsere Drohne ins Spiel. Sie schwebte über den Dünen, während die Sonne die Sandberge in warme Orangetöne tauchte. Vor uns die beleuchtete Oase, hinter uns der Mond, unser erster Wüstenmond. Die Atmosphäre war einfach magisch. Wir standen im Sand, die Drohne summte, Sand flog in alle Richtungen, und wir fühlten uns wie echte Wüstenabenteurer, auch wenn wir zwischendurch eher wie Sandmonster aussahen. Und als ob die Oase nicht schon spektakulär genug wäre, steckt hinter Huacachina auch eine spannende Geschichte. Im Jahr 1869 besuchte der Wissenschaftler Sebastián Barranca die Lagune. Er entdeckte die heilenden Eigenschaften des Wassers durch die enthaltenen Mineralsalze. Kein Wunder also, dass schon damals Menschen aus allen Ecken der Welt hierherkamen, um Gesundheit und Entspannung zu suchen. Barranca erklärte außerdem, dass der Name „Ica“ möglicherweise von einem Wort für Fluss oder Lagune stammt.
Damals hatte die Lagune noch eine ganz praktische Nutzung. Aufgrund der großen Beliebtheit des Wassers verkauften einige Einwohner den heilenden Schlamm und das Wasser mithilfe von Maultieren in Tonkrügen. Zu den ersten Familien, die sich diesem Geschäft widmeten, gehörten Angela Oliverti und Catalina Casinelli, italienische Einwanderer, die mit ihren Familien auf den großen Farmen von Ica lebten, wo Weinberge und Obst angebaut wurden Doña Perotti ließ sich als Erste dauerhaft nieder und errichtete 1909 eine einfache Unterkunft aus Lehm, Schilf und Wildrohr. Diese Bauten bildeten später das Hotel „El Huaranguito“, das Besuchern und Patienten auf der Suche nach Heilung im Wasser von Huacachina Unterkunft bot. Barrancas Entdeckungen und die Bekanntheit der Lagune trugen maßgeblich dazu bei, dass Huacachina zu dem kleinen, charmanten Ort wurde, der er heute ist. Ein Paradies für Fotografen, Abenteurer und Sandliebhaber gleichermaßen.
Fun Fact: Huacachina ist nicht nur die einzige natürliche Wüstenoase Perus neben Morón, sondern auch der perfekte Ort, um festzustellen, dass Sand wirklich jeden Winkel eines Fotorucksacks erreicht, egal, wie sehr man versucht, ihn fernzuhalten. Nachdem wir die Drohne wieder sicher gelandet hatten, ohne dass sie beschlossen hätte, ein eigenständiges Leben in der Wüste zu beginnen, packten wir den Fotorucksack wieder ein. Der war inzwischen so sandig, dass man ihn fast als Wüstensouvenir hätte verkaufen können. Wir genossen noch einen letzten stillen Moment im warmen Sand. Es war einer dieser Augenblicke, in denen man denkt: Hier könnte ich ewig sitzen.
Dann machten wir uns wieder auf den Weg nach unten Richtung Hotel. Jeder Schritt durch den Sand fühlte sich ein bisschen so an, als würden wir das Paradies verlassen.
Im Hotelzimmer machten wir uns kurz frisch. Okay, der Sand war immer noch überall, aber wir nannten das einfach „natürliches Peeling“. Danach gingen wir ins Hotelrestaurant unter freiem Himmel. Wir bestellten etwas zu essen und ein paar Cocktails. Die Getränke waren so bunt, dass man fast erwartet hätte, einen Regenbogen darin schwimmen zu sehen. Während wir aßen, lachten wir über die verrückten Momente des Tages: Luca, der wie ein menschlicher Bowlingball die Dünen hinunterrutschte, die Drohne, die beinahe beschlossen hätte, selbst Sandengel zu machen, und Steffis Quad Abenteuer, bei denen sie zeitweise mehr Luft als Boden unter sich hatte.
Nach dem Essen packte uns die Abenteuerlust noch einmal. Wir wollten unbedingt einen letzten Spaziergang um die Lagune machen. Es war schließlich schon unser letzter Abend in Huacachina, bevor wir am nächsten Morgen weiterfahren würden. Alles war leise. Nur ein Hauch von Musik aus den umliegenden Hotels erreichte uns, wie eine freundliche Hintergrundband für diesen perfekten Moment. Der leichte Wind spielte mit Steffis Haaren, und die Palmen wiegten sich sanft, als würden sie uns zum Abschied winken. Wir genossen den letzten Blick auf die glitzernde Lagune, die friedlich zwischen den Palmen lag, und Steffi musste innerlich lachen. So still und magisch die Szene auch war, wir hätten wahrscheinlich trotzdem noch ein Foto von jedem einzelnen Sandkorn gemacht. Es war genau dieser Mix aus Ruhe, Schönheit und dem kleinen Chaos, das wir immer mitbringen, der diesen Tag perfekt machte. Steffi schwor sich innerlich, dass Huacachina uns nicht zum letzten Mal gesehen hatte. Vielleicht würden wir eines Tages zurückkehren, um die Dünen erneut unsicher zu machen oder die Drohne noch einmal Richtung Mond zu schicken.
Tag 4 – Fahrt nach Huaraz (02.02)
Ein langer Reisetag stand bevor: 700 Kilometer lagen vor uns, eine Strecke, die etwa 11 Stunden in Anspruch nehmen sollte. Früh am Morgen starteten wir, um genug Zeit für Pausen, Fotos und mögliche kleine Abenteuer am Straßenrand zu haben. Der Kaffee in unserem Hotelzimmer ahnte vermutlich schon, dass er heute Schwerstarbeit leisten musste.
Unterwegs konnten wir die Landschaft richtig genießen. Langsam verwandelte sie sich von den goldgelben Dünen in Huacachina zu kargen kleinen Dörfern, die sich scheinbar endlos entlang der Straße zogen. Zwischendurch tauchten immer wieder winzige, abgelegene Städte auf, in denen die Menschen ihr Leben gemütlich zwischen staubigen Straßen und bunten Häusern führten.
Überall saßen Hunde herum oder rannten bellend hinter Autos her, als wollten sie uns persönlich aufhalten. Manche wirkten sogar richtig beleidigt, wenn niemand anhielt, um sie zu streicheln. Immer wieder fuhren Lkws vorbei, über und über mit bunten Graffitis bemalt.
Hoch hinaus
Es war genau dieser Mix aus karger Wüstenlandschaft, kleinen skurrilen Szenen am Straßenrand und laut bellenden Vierbeinern, der die Fahrt zu einem besonderen Erlebnis machte. Mit jeder Stunde wurde die Umgebung trostloser. Es standen nur noch vereinzelt kleine Lehmhäuser oder viereckige Betonbauten in der Landschaft. Über Stunden zog dieses triste Bild an uns vorbei.
Je weiter wir nach Norden fuhren, desto dramatischer wurde die Landschaft. Plötzlich tauchten schroffe Berge am Horizont auf. Urwaldähnliche Vegetation wuchs an den Straßenrändern, giftgrünes Moos bedeckte Felsen und sah aus, als gehöre es nicht in diese Welt. Die gesamte Landschaft lag wie in Nebel gehüllt und wirkte gleichzeitig majestätisch und leicht einschüchternd.
Kleine Flüsse schlängelten sich durch grüne Täler. Es war ein ständiges Auf und Ab: Sand, Staub und karge Hügel wechselten sich mit grünen Oasen, tiefen Schluchten und rauschenden Bächen ab. Man wusste nie, was hinter der nächsten Kurve auftauchen würde.
Huaraz
Auf dem ersten Hochplateau in etwa 1500 bis 2000 Metern Höhe änderte sich die Landschaft plötzlich komplett. Zwischenzeitlich fühlte es sich an wie in den schottischen Highlands. Sanfte grüne Hügel, Nebelschwaden und diese ruhige, fast mystische Stimmung machten die Umgebung völlig surreal. Wären irgendwo Schafe aufgetaucht, hätten wir uns vermutlich nicht einmal gewundert.
Doch je näher wir Huaraz kamen, desto anstrengender wurde die Fahrt. Die Straßen entwickelten sich zu einer absoluten Katastrophe. Gefühlt fuhren wir permanent mit 100 im Zickzack durch enge Kurven, während uns ständig Busse und riesige Lkws entgegenkamen, teilweise wie Geisterfahrer mitten auf unserer Spur. Dazu kamen völlig zerstörte Straßenabschnitte und riesige Schlaglöcher, die aussahen, als wollten sie unser Auto komplett verschlingen. Manche davon tauchten so plötzlich auf, dass man nur noch hoffen konnte, rechtzeitig auszuweichen. Nebenbei ging es immer wieder steil bergab oder direkt an Abgründen entlang. Es war definitiv die Art von Strecke, bei der man automatisch aufrechter sitzt und plötzlich sehr aufmerksam fährt.
Je näher wir Huaraz kamen, desto beeindruckender wurden die Gipfel der Anden. Plötzlich sahen wir steile Felswände, tiefe Schluchten und schimmernde Bergseen, die wie Spiegel in der Sonne glitzerten. Winzige Straßen zogen sich wie Spinnweben an den Berghängen entlang. Es fühlte sich fast surreal an: morgens noch staubige Wüstenlandschaften und wenige Stunden später grüne Täler mitten in den Anden.
Immer wieder mussten wir einfach aus dem Fenster starren, mit offenem Mund vor Begeisterung. Wir schauten uns an und konnten kaum glauben, wie verrückt diese Strecke war. Die Landschaft fühlte sich an wie die wildeste Achterbahnfahrt der Welt. Und trotzdem ahnten wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht, dass das längst nicht alles war.
Pünktlich zum Sonnenuntergang erreichten wir schließlich Huaraz. Rückblickend waren wir sehr froh darüber, denn diese Strecke würden wir definitiv niemandem bei Dunkelheit empfehlen.
Nach etwa elf Stunden Fahrt und ziemlich erschöpft kamen wir schließlich an unserer Unterkunft an. Es war eine kleine Wohnung ganz oben im Gebäude, von der aus man die Berge sehen konnte, zumindest wenn die Wolken es zuließen.
In Huaraz war es überraschend kalt. Auf den Berggipfeln lag Schnee, und Steffi erinnert sich bis heute daran, wie sehr sie in dieser Unterkunft gefroren hat. Die Wohnung war klamm und extrem hellhörig. Selbst die Bettdecken fühlten sich kalt und feucht an. Über uns befand sich eine Glasdecke, die von außen nur mit Stoff abgedeckt war. Wahrscheinlich war auch hier, wie schon bei anderen Unterkünften zuvor, das Dach nie vollständig fertiggestellt worden.
Am Abend besorgten wir uns noch ein Paket Nudeln und etwas Sauce in einem kleinen Laden ganz in der Nähe. Danach liefen wir zurück zur Unterkunft, kochten uns Nudeln und bereiteten unsere Sachen für den nächsten Tag vor. Nach diesem langen Tag fielen wir schließlich müde ins Bett.
Tag 5 – Rocutuyoc & Artesonraju (03.02.)
Heute stand unser erster richtiger Wandertag in den Anden bevor. Schon am Morgen merkten wir sofort, dass Huaraz anders war als alles, was wir bisher erlebt hatten. Die Stadt liegt auf über 3000 Metern Höhe, mitten zwischen den gewaltigen Gipfeln der Cordillera Blanca. Und genau das spürt man sofort.
Jeder Schritt fühlte sich plötzlich drei Mal schwerer an, als wir es gewohnt waren. Selbst kleine Bewegungen kosteten Kraft. Die dünne Höhenluft machte aus einfachen Dingen kleine Herausforderungen. Schon beim Treppensteigen oder beim Tragen des Rucksacks merkten wir, wie schnell man außer Atem gerät. Unser Körper musste sich erst daran gewöhnen, dass hier oben alles langsamer funktioniert.
Deshalb starteten wir den Morgen erst einmal entspannt. Wir ließen uns Zeit, tranken etwas und versuchten irgendwie wach zu werden. Trotzdem war die Vorfreude auf die erste Wanderung in den Anden viel zu groß, um lange still sitzen zu bleiben. Also machten wir uns schließlich auf den Weg Richtung Rocutuyoc.
Schon die Fahrt dorthin übertraf alles, was wir jemals gesehen hatten.
Kein Empfang
Drei Stunden lang fuhren wir ohne Empfang immer tiefer in die Hochanden hinein. Die Straßen führten an unfassbaren Klippen entlang, vorbei an Schluchten und Bergen, die so riesig wirkten, dass man sich daneben plötzlich winzig fühlte. Immer wieder ging es durch kleine alte Dörfer mitten in den Anden, in denen Erdbeeren angebaut wurden. Zwischen den rauen Bergen lagen grüne Felder und vereinzelte Häuser aus Lehm oder Stein. Alles wirkte wie ein unberührtes Paradies, weit entfernt von der restlichen Welt.
Gleichzeitig fuhr aber ständig diese kleine Angst mit. Immer wieder fragten wir uns, ob unser Auto die Strecke überhaupt schaffen würde oder ob wir gleich irgendwo mitten in den Bergen stecken bleiben würden. Die Straßen waren teilweise so rau und voller Schlaglöcher, dass jede Kurve wie ein kleines Glücksspiel wirkte.
Rocutuyoc
Der eigentliche Wanderweg zur Laguna Rocutuyoc begann unscheinbar und beinahe still. Ein schmaler Pfad zog sich durch Stein und Geröll, begleitet vom Wind und unserem eigenen Atem. Doch schon nach den ersten Höhenmetern wurde klar: Das hier war keine gewöhnliche Wanderung. Die Luft wurde dünner, jeder Schritt bewusster. Gespräche wurden kürzer, Pausen häufiger. Trotzdem hatte dieser Weg etwas unglaublich Ruhiges. Keine Ablenkung, keine Geräusche, nur das Gehen, unser Atem und die Berge. Unser Proviant wurde unterwegs zu kleinen Momenten der Pause inmitten dieser gewaltigen Weite: Bananen, Nüsse und Yucca Chips. Einfaches Essen, das sich in dieser Höhe plötzlich erstaunlich wertvoll anfühlte. Je weiter wir gingen, desto stärker wurde das Gefühl, dass die Welt hier oben anders funktioniert. Die Zeit schien langsamer zu vergehen. Geräusche verschwanden fast vollständig. Und alles, was blieb, war Landschaft. Dann tauchte er irgendwann auf. Der Artesonraju.
Normalerweise dominiert dieser Berg die gesamte Umgebung, doch an diesem Tag wurden wir zunächst von einer dichten Wolkendecke empfangen. Nur die Mitte des Berges war sichtbar. Trotzdem wirkte er gewaltig. Perfekt geformt, fast geometrisch, mit seinen scharf gezogenen, schneebedeckten Gipfeln, die sich eigentlich hinter den Wolken versteckten. Es war einer dieser Berge, die nicht laut wirken müssen, um trotzdem alles zu überstrahlen.
Automatisch blieben wir stehen, weil man sofort spürt, dass man so einen Anblick nicht oft erlebt. Gleichzeitig schlich sich der Gedanke ein, dass wir den Gipfel vielleicht gar nicht mehr vollständig sehen würden. Die Lagune selbst lag ruhig zwischen den Bergen. Still, kalt und abgeschieden. Ein Ort, der wirkte, als wäre er nur für kurze Zeit sichtbar geworden, bevor er wieder im Nebel der Zeit verschwindet.
Dort wurden wir von einem netten Mann mit einem kleinen Boot auf die andere Seite der Lagune gepaddelt. Es war eine unfassbar schöne Stille auf dem See mitten in den Anden. Keine Stimmen, keine Straßen, nur das leise Geräusch des Wassers und die gewaltigen Berge um uns herum. Die Stimmung dort oben war kaum in Worte zu fassen. Auf der anderen Seite lag ein Gletscher. Immer wieder hörten wir das tiefe Knacken und Krachen dieser gewaltigen Naturmassen. Geräusche, die gleichzeitig faszinierend und leicht einschüchternd wirkten. Es waren genau diese Momente, von denen wir sofort wussten, dass wir sie niemals vergessen würden. Etwa eine Stunde lang warteten wir darauf, dass sich die Wolken vielleicht doch noch bewegen würden. Lucas Hoffnung verschwand langsam mit jeder Minute mehr. Doch Steffi war sich irgendwie ganz sicher, dass der Berg sich noch zeigen würde. Und tatsächlich. Ganz langsam, fast unbemerkt, schob sich die Wolkendecke Stück für Stück zur Seite. Der Berg wurde immer sichtbarer, größer und eindrucksvoller. Schließlich lag der Artesonraju komplett vor uns.
In diesem Moment waren wir einfach nur still und unglaublich dankbar für diesen wunderschönen Anblick.
Videozeit in den Anden
Hier könnt ihr unser Video aus unserer Zeit in den Anden rund um Huaraz ansehen. Die Aufnahmen geben noch einmal einen ganz anderen Eindruck davon, wie sich diese Tage wirklich angefühlt haben. Gewaltige Berglandschaften und türkisfarbene Lagunen auf endlose Wanderwegen auf über 4000 Metern Höhe, die uns körperlich wie mental immer wieder herausgefordert haben.
Zwischen steilen Anstiegen und der dünnen Luft in der Höhe wechselten sich Momente völliger Erschöpfung mit Augenblicken ab, die man kaum in Worte fassen kann.
Manchmal fühlte es sich eher wie eine Expedition als wie eine Wanderreise an. Jeder Schritt war intensiver, jede Aussicht größer und jeder Moment bewusster. Genau diese Mischung aus Anstrengung, Ehrfurcht und absoluter Schönheit hat die Zeit in Huaraz für uns so besonders gemacht.
Mit dem Video möchten wir euch noch ein Stück näher an dieses Gefühl heranbringen und euch zeigen, warum uns die Anden so nachhaltig beeindruckt haben.
Tag 6 – Laguna Parón (04.02)
Die Reise begann früh in Huaraz, noch bevor die Stadt wirklich wach war. In weiter Ferne konnte man ein paar Hunde bellen hören. Die Luft war kühl, und über den Dächern lag dieses diffuse Morgenlicht, das alles für einen Moment ruhig wirken ließ. Doch schon nach kurzer Zeit, als wir in die Cordillera Blanca einfuhren, veränderte sich alles.
Die Straßen wurden kurviger, die Täler weiter, und die Berge begannen, sich wie riesige Mauern um uns herum aufzubauen. Erst wirkten sie noch fern und fast freundlich, doch mit jedem Kilometer kamen sie näher, wurden schroffer und gewaltiger. Irgendwann hatte man das Gefühl, die Welt unter uns einfach hinter sich gelassen zu haben.
Endlose Weiten
Der Wanderweg zur Laguna Parón begann unscheinbar, beinahe ruhig. Ein schmaler Pfad zog sich durch Stein und Staub, begleitet vom Wind und unserem eigenen Atem. Doch schon nach den ersten Höhenmetern wurde klar: Das hier war keine gewöhnliche Wanderung. Die Luft wurde dünner, jeder Schritt bewusster. Gespräche wurden kürzer, Pausen häufiger. Trotzdem blieb diese stille Vorfreude bestehen, dieses Gefühl, dass hinter jeder Kurve etwas Großes auf uns wartete.
Und dann kam dieser Moment.
Der Weg öffnete sich plötzlich, fast ohne Vorwarnung, und vor uns lag die Lagune.
Paron
Die Laguna Parón war nicht einfach nur ein See. Das Wasser leuchtete in einem intensiven, fast unwirklichen Türkis, gleichzeitig tief und glasklar, eingeschlossen von riesigen, senkrecht aufragenden Felswänden. Alles wirkte überdimensioniert: die Berge zu hoch, das Wasser zu still und der Moment selbst viel zu groß, um ihn sofort begreifen zu können.
Es war diese Art von Stille, die nicht leer wirkt, sondern vollkommen erfüllt. Voll von Wind, von Höhe und von dieser überwältigenden Präsenz der Anden. Wir standen einfach nur da und schauten. Länger, als wir eigentlich geplant hatten, ohne überhaupt zu merken, wie schnell die Zeit verging.
Unten am Wasser lagen ein paar kleine Holzboote, die wir natürlich sofort fotografierten. Der Kontrast zwischen dem leuchtend türkisen Wasser, den dunklen Booten und den gewaltigen Bergen im Hintergrund war kaum in Worte zu fassen. Es war einer dieser seltenen Momente, die auf Fotos schön aussehen, aber in Wirklichkeit noch viel beeindruckender sind.
Tag 7 – Laguna 513 (05.02)
Unser letzter Tag in Huaraz sollte gleichzeitig auch der anstrengendste werden. Nach den ersten Tagen in den Anden hatten wir zwar langsam begonnen, uns an die Höhe zu gewöhnen, aber „gewöhnt“ fühlte sich trotzdem noch anders an. Jeder Morgen begann dort oben mit schweren Beinen, trockener Luft und dem Gefühl, dass selbst einfaches Atmen plötzlich Arbeit ist.
Trotzdem wartete noch ein letztes großes Abenteuer auf uns: die Laguna 513.
Schon die Fahrt dorthin fühlte sich wieder an wie eine kleine Expedition. Stundenlang fuhren wir durch die Hochanden, vorbei an wilden Flüssen, schroffen Bergen und kleinen Dörfern, die irgendwo zwischen Himmel und Erde zu liegen schienen. Immer wieder mussten wir Schlaglöchern ausweichen oder langsam über unebene Straßen rollen, während neben uns steile Hänge und tiefe Schluchten auftauchten.
Die Laguna 513 liegt auf etwa 4400 Metern Höhe im Huascarán Nationalpark und gilt als eine der beeindruckendsten, aber auch anstrengendsten Wanderungen rund um Huaraz. Anders als viele andere Lagunen wirkt sie wilder, abgelegener und deutlich rauer. Das Wasser leuchtet in einem intensiven Gletscherblau, gespeist von Schmelzwasser und umgeben von riesigen Felswänden und Wasserfällen, die direkt aus den Bergen stürzen.
Am Limit
Die Wanderung zur Laguna 513 war kein einfacher Aufstieg mehr, sondern eine echte Prüfung der Höhe. Schon früh war klar: Hier oben bestimmt nicht mehr allein der Wille das Tempo. Die Luft war dünn, jeder Schritt kostete Kraft, und selbst kurze Anstiege fühlten sich deutlich länger an, als sie eigentlich waren.
Es war still, aber keine angenehme Stille. Eher eine, die alles verstärkte: den eigenen Atem, das Herzschlagen und die Erschöpfung. Doch genau darin lag auch etwas Besonderes. Diese völlige Konzentration auf das Gehen, auf den Moment und auf den nächsten Schritt. Mit jedem Höhenmeter wurde die Natur gewaltiger. Wasserfälle rauschten zwischen den Bergen herab, Nebelschwaden zogen durch die Täler, und über den Gipfeln hing dieses raue Wetter der Hochanden, das sich innerhalb weniger Minuten komplett verändern kann. Und dann, nach einer letzten Steigung, war sie da. Die Laguna 513 lag unter uns wie ein dunkler Spiegel zwischen den Bergen. Tiefblau, fast schwarz an manchen Stellen, umgeben von Fels und Eis. Keine Bewegung, kein Geräusch, nur diese unglaubliche, beinahe überwältigende Stille. Man merkt in solchen Momenten, wie klein alles wird, was sonst wichtig erscheint. Und gleichzeitig, wie groß die Welt ist, in der man sich gerade befindet. Irgendwann erreichten wir einen Punkt, an dem wir merkten, dass unsere Kräfte langsam verschwanden. Der letzte Abschnitt bis ganz nach oben war brutal anstrengend. Die Höhe, der Wind und das Wetter hatten uns komplett im Griff.
Den allerletzten Teil schafften wir schließlich nicht mehr aus eigener Kraft. Also entschieden wir uns, wenigstens die Drohne noch weiter hinaufzuschicken, um die Landschaft von oben sehen zu können. Doch selbst das wurde plötzlich zu einem kleinen Kampf gegen die Naturgewalten. Der Wind war so stark, dass wir zeitweise dachten, wir würden die Drohne verlieren. Sie wurde regelrecht durch die Luft gedrückt, während Nebel und Böen immer stärker wurden. Für einen kurzen Moment hatten wir wirklich Angst, dass sie einfach irgendwo zwischen den Bergen verschwindet. Irgendwann mussten wir uns eingestehen, dass wir umkehren mussten. Noch weiterzugehen wäre keine gute Idee gewesen. Wir wussten, wenn wir nicht bald den Rückweg antreten würden, hätten wir es wahrscheinlich nicht mehr rechtzeitig und aus eigener Kraft zurückgeschafft. Also machten wir uns langsam wieder auf den Weg nach unten.Erschöpft, durchgefroren und mit schweren Beinen, aber gleichzeitig vollkommen beeindruckt von dieser gewaltigen Landschaft. Die Anden hatten uns in diesen Tagen gezeigt, wie klein man sich zwischen Bergen, Wetter und Natur plötzlich fühlen kann. Auf dem Rückweg waren wir völlig erschöpft. Der letzte Abend in Huaraz endete deshalb direkt im Bett, damit wir wenigstens etwas ausgeruht für den nächsten Tag sein würden.
3.052 m
über dem Meerespiegel
Nur rund 50 km entfernt befindet sich der berühmte Huascarán mit 6.768 Metern Höhe.
700 Gletscher
UNESCO-Welterbe
Wegen der Höhe und trockenen Luft sieht man nachts oft die Milchstraße besonders deutlich.
400 Bergseen
höher als Alpenorte in Europa
Von Huaraz aus kann man innerhalb weniger Stunden Orte über 5.000 Meter erreichen.
Fakten über Huaraz
Die Stadt hat rund 140.000 Einwohner. Trotzdem wirkt sie deutlich kleiner und ruhiger als Perus Metropolen.
Die Faszination Huaraz liegt nicht nur in seiner Natur, sondern auch im Gefühl von Freiheit und Abenteuer. Jeder Weg führt höher hinauf. Zu stillen Lagunen, gewaltigen Gletschern und atemberaubenden Ausblicken. Wer einmal dort war, erinnert sich oft nicht nur an die Landschaft, sondern an das Gefühl, den Himmel ein Stück näher erlebt zu haben.
Tag 8 + 9 – Auf zum nächsten Abenteuer (06.02.+07.02.)
Nach diesen Tagen in extremer Höhe begann der lange Rückweg. Die Fahrt Richtung Chasquitambo war nicht nur eine geografische Bewegung, sondern auch ein inneres Loslassen.
Mit jedem Höhenmeter veränderte sich die Welt. Die Luft wurde dichter, wärmer und weicher. Die Farben bekamen wieder mehr Leben, und auch die Geräusche kehrten langsam zurück. Aus der kargen, stillen Welt der Hochanden wurde Schritt für Schritt wieder eine bewohnte Landschaft.
Die Strecke war lang, rund 200 Kilometer und etwa vier Stunden Fahrt, irgendwo zwischen den Regionen und Welten Perus. Trotzdem fühlte sich dieser Tag wie ein kompletter Wechsel der Realität an.
Nach all den Tagen zwischen Eis, Wind und dünner Höhenluft wirkte selbst die einfache Fahrt plötzlich ruhig und beinahe gemütlich.
Am Ende erreichten wir das Hotel Cosmopolita. Ein einfacher Ort, ruhig und fast unscheinbar.
Und während die Eindrücke der Berge langsam nachklangen, blieb vor allem ein Gefühl zurück: etwas gesehen zu haben, das eigentlich größer ist als Worte.
Ankunft in Cusco
Am neunten Tag setzten wir unsere Reise Richtung Lima fort, von wo aus der nächste große Abschnitt unseres Peru Abenteuers beginnen sollte. Die Fahrt fühlte sich fast unwirklich an. Noch vor wenigen Tagen standen wir mitten zwischen Gletschern und gewaltigen Bergen der Anden, jetzt führte uns die Strecke langsam wieder zurück Richtung Küste und Großstadtleben.
Spätestens gegen 15:00 Uhr erreichten wir den Flughafen in Lima. Dort begann direkt das nächste Kapitel unserer Reise. Um 17:10 Uhr flogen wir weiter nach Cusco.Nach der Landung um 18:35 Uhr holten wir unseren Mietwagen ab und tauchten sofort in die besondere Atmosphäre der Stadt ein. Cusco fühlte sich komplett anders an als alles zuvor: voller Geschichte, voller Leben und mit dieser besonderen Stimmung, die einen sofort spüren lässt, dass hier einst das Zentrum des Inkareichs lag.
Auf Cusco hatten wir uns nach den anstrengenden und auslaugenden Tagen in Huaraz besonders gefreut. Nach all den Wanderungen, der Höhe und den kalten Nächten sehnten wir uns nach einer kleinen Auszeit mit Kultur, gutem Essen und etwas Ruhe. Und wir sollten definitiv nicht enttäuscht werden. Schon jetzt können wir sagen: Für Cusco werden wir später noch einige exzellente Empfehlungen aussprechen. Zu unserer Überraschung gehörte unsere erste Unterkunft einem Deutschen namens Eric, der vor einigen Jahren mit einer ordentlichen Portion Mut und ganz viel Liebe nach Peru ausgewandert war. Schon bei der Ankunft merkten wir sofort, wie herzlich und entspannt er war. Wir verbrachten eine schöne kurze Zeit zusammen, unterhielten uns über Peru, das Leben in Cusco und natürlich über die Anden.
Eric gab uns viele hilfreiche Tipps für die nächsten Tage und erklärte uns außerdem die Bedeutung der Coca Blätter, die in den Anden seit Jahrhunderten genutzt werden. Die Blätter werden traditionell gekaut oder als Tee getrunken und sollen gegen Höhenkrankheit, Müdigkeit und Erschöpfung helfen. Besonders in großen Höhen greifen viele Einheimische darauf zurück, weil sie die Atmung erleichtern und dem Körper mehr Energie geben können. Eric zeigte uns, wie man die Blätter richtig kaut: Man nimmt mehrere Blätter gleichzeitig, formt daraus eine kleine Kugel und legt sie seitlich in den Mund, wo sie langsam gekaut werden. Der Geschmack war leicht bitter und ungewohnt, aber nach unseren Tagen in Huaraz verstanden wir sofort, warum die Coca Pflanze in den Anden so geschätzt wird.
Nach dieser tollen Erfahrung mit Eric machten wir uns schließlich auf den Weg in die Stadt. Wir hatten uns auf ein richtig gutes Abendessen gefreut und entschieden uns für das Restaurant Offrenda in Cusco. 5 von 5 Sternen bei Google und über 3000 Bewertungen. Das klang nach einer ziemlich sicheren Sache und genau so war es auch.
Das Essen war fantastisch. Die Atmosphäre, die Präsentation der Gerichte und die Qualität des Essens waren auf einem Niveau, welches Seines Gleichen sucht. Nach den anstrengenden Tagen in den Bergen fühlte sich dieser Abend fast wie eine kleine Belohnung an. Mit vollem Magen, müden Beinen und großer Vorfreude auf alles, was Cusco noch für uns bereithalten würde, fielen wir später völlig erschöpft ins Bett.
Muna - Die Andenminze
Ein kleiner, aber irgendwie ganz besonderer Begleiter unserer Peru Reise war Muna die sogenannte Anden Minze. Zum ersten Mal richtig bewusst begegnet ist sie uns in Cusco. Die unglaublich netten Mitarbeiter des Restaurants Ofrenda schenkten uns eines Abends sogar ein hausgemachtes Spray aus Muna. Sie erklärten uns, dass die Pflanze in den Anden seit Jahrhunderten genutzt wird und besonders bei der Höhe helfen soll. Ähnlich wie Coca Blätter erleichtert Muna das Atmen, wirkt erfrischend und hilft vielen Menschen gegen Höhenbeschwerden oder Erschöpfung.
Wir haben uns riesig über dieses kleine Geschenk gefreut auch wenn wir beide sofort lachen mussten, weil wir uns dachten: „Das hätten wir mal besser schon eine Woche früher in Huaraz gebraucht.“ Nach unseren Wanderungen auf über 4000 Metern hätten wir vermutlich jede Form von zusätzlichem Sauerstoff dankend angenommen.
Muna selbst wächst in den Hochlagen der Anden und gehört zur Familie der Minz Pflanzen. Der Geruch ist intensiv frisch, irgendwo zwischen Minze, Kräutern und Eukalyptus. Besonders in Peru wird Muna traditionell als Tee getrunken oder als Heilpflanze verwendet. Viele Einheimische schwören darauf bei Magenproblemen, Erkältungen oder eben gegen die Auswirkungen der Höhe.
Und tatsächlich begleitete uns Muna irgendwie durch fast die gesamte Reise. Immer wieder tranken wir Muna Tee in kleinen Unterkünften oder Restaurants irgendwo mitten in den Anden. Besonders abends nach langen Fahrten oder Wanderungen war dieser warme Kräutertee perfekt. Bis heute kaufen wir noch regelmäßig Muna Tee oder Schokolade mit Muna Geschmack, einfach weil uns der Geruch und Geschmack sofort zurück nach Peru versetzt.
Am meisten begeistert hat uns allerdings der Muna Likör mit weißer Schokolade, den wir im Schokoladenmuseum in Cusco probierten. Das klang erst völlig verrückt, schmeckte aber unglaublich gut. Frische Kräuternoten kombiniert mit süßer weißer Schokolade irgendwie genau so ungewöhnlich wie Peru selbst.
Rückblickend war Muna viel mehr als nur eine Pflanze oder ein Tee. Sie wurde für uns zu einem kleinen Symbol dieser Reise. Immer irgendwo dabei, irgendwo zwischen Anden, Regenwald, kalten Nächten und großen Abenteuern.
Tag 10 – Entschleunigung in Cusco (08.02.)
Der zehnte Tag stand ganz im Zeichen von Cusco. Nach den vergangenen Tagen voller Wüste, Hochanden, stundenlanger Autofahrten und anstrengender Wanderungen hatten wir uns zum ersten Mal wirklich entschleunigt.
Und genau das tat unglaublich gut.
Zum ersten Mal seit Beginn der Reise standen nicht Abenteuer, Höhenmeter oder lange Straßen im Mittelpunkt, sondern einfach nur der Moment. Guter Kaffee, fantastisches Essen und die Atmosphäre dieser besonderen Stadt. Nach sieben Tagen voller Anden Action und staubiger Straßen hatten wir uns einen ganz normalen Tag mehr als verdient.
Trotzdem merkten wir schnell, dass auch Cusco uns körperlich noch immer forderte. Die Stadt liegt auf etwa 3400 Metern Höhe mitten in den Anden, und obwohl wir bereits Zeit in Huaraz verbracht hatten, spürten wir die Höhe weiterhin deutlich. Selbst langsames Gehen durch die Gassen konnte anstrengend werden, besonders wenn es bergauf ging. Deshalb ließen wir uns bewusst Zeit, machten viele kleine Pausen und erkundeten die Stadt ohne Stress.
Cusco selbst fühlte sich an wie ein riesiges Freilichtmuseum.
An jeder Ecke wartete beeindruckende Architektur. Enge, verwinkelte Gassen aus Kopfsteinpflaster zogen sich durch die Stadt, gesäumt von alten kolonialen Gebäuden, Holzbalkonen und den berühmten Inka Mauern, deren Steine so präzise aufeinandergesetzt wurden, dass nicht einmal ein Blatt Papier dazwischen passen soll. Genau dieser Kontrast machte Cusco so besonders: überall trafen die Geschichte der Inka und die spanische Kolonialzeit direkt aufeinander. Früher war Cusco die Hauptstadt des Inkareichs und galt als das politische, kulturelle und spirituelle Zentrum der Andenwelt. Noch heute spürt man überall diese besondere Geschichte. Viele Gebäude der Spanier wurden direkt auf den Fundamenten alter Inka Tempel errichtet, wodurch die Stadt gleichzeitig majestätisch, lebendig und fast ein bisschen mystisch wirkt. Während wir durch die Straßen liefen, entdeckten wir kleine Innenhöfe, Cafés, Märkte und wunderschöne Plätze, auf denen sich Touristen, Einheimische und Straßenmusiker mischten. Überall roch es nach Kaffee, Essen und manchmal nach frisch gebackenem Brot. Cusco fühlte sich gleichzeitig chaotisch und unglaublich gemütlich an.
Auf den Spuren von Schokolade
Ein besonderes Highlight an diesem Tag war das Schokoladenmuseum.
Dort erfuhren wir viel über die Geschichte des Kakaos in Peru, eines Landes, das tatsächlich einige der hochwertigsten Kakaosorten der Welt produziert. Das Museum erklärte den gesamten Prozess von der Kakaobohne bis zur fertigen Schokolade und natürlich durfte auch probiert werden. Der Duft von Kakao lag überall in der Luft, und nach den kalten Tagen in den Bergen fühlte sich dieser Ort fast wie ein kleiner warmer Zufluchtsort an. Besonders spannend war zu sehen, wie tief Kakao und Schokolade in der peruanischen Kultur verwurzelt sind. Peru zählt zu den Ursprungsländern des Kakaos, und viele Sorten wachsen noch heute in kleinen Regionen im Amazonasgebiet unter natürlichen Bedingungen. Den Rest des Tages verbrachten wir damit, einfach durch Cusco zu laufen, gutes Essen zu genießen und diese besondere Atmosphäre aufzusaugen. Kein Zeitdruck, keine Wanderung und kein Ziel außer dem, die Stadt auf uns wirken zu lassen. Und genau das machte diesen Tag so besonders.
Tag 11 – Expedition Richtung Machu Picchu (09.02)
Heute sollte endlich unsere Expedition Richtung Machu Picchu beginnen. Ein Tag, auf den wir uns schon seit Monaten gefreut hatten und der sich von Anfang an besonders anfühlte.
Früh am Morgen wurden wir mit einem Bus zunächst nach Ollantaytambo gebracht. Und allein diese Fahrt war bereits wieder außergewöhnlich. Nach all den Tagen, an denen wir selbst stundenlang durch Peru gefahren waren, tat es unglaublich gut, einfach einmal nur aus dem Fenster schauen zu können, ohne auf Schlaglöcher, Gegenverkehr oder die nächste Kurve achten zu müssen.
Die Landschaft zog langsam an uns vorbei: grüne Täler, kleine Dörfer, Nebelschwaden über den Bergen und natürlich wieder diese gewaltigen Anden, die uns mittlerweile wie ein ständiger Begleiter vorkamen.
Irgendwann erreichten wir Ollantaytambo.
Ollantaytambo
Der kleine Ort gehört zu den ältesten dauerhaft bewohnten Städten Perus und war bereits zu Zeiten der Inka ein wichtiges religiöses, militärisches und landwirtschaftliches Zentrum. Noch heute verlaufen viele Straßen genauso wie vor Jahrhunderten. Zwischen den engen Gassen fließt Wasser durch alte Inka Kanäle, die tatsächlich bis heute genutzt werden. Über dem Ort thronen die beeindruckenden Inka Terrassen und Ruinen von Ollantaytambo, die direkt in die steilen Berghänge gebaut wurden. Die gigantischen Steinblöcke dort oben wirken selbst aus der Ferne vollkommen unrealistisch, besonders wenn man bedenkt, dass sie vor hunderten Jahren ohne moderne Technik transportiert wurden.
Die gesamte Atmosphäre dieses Ortes war besonders. Ruhig, historisch und gleichzeitig voller Leben. Wir verbrachten dort wunderschöne Stunden, liefen durch die alten Gassen, beobachteten das Treiben auf den kleinen Plätzen und hätten ehrlich gesagt gerne noch viel mehr Zeit dort verbracht.
Aguas Calientes
Doch nach etwa fünf Stunden ging unsere Reise weiter. Von Ollantaytambo aus fuhren wir schließlich mit dem Zug Richtung Aguas Calientes weiter, dem kleinen Ort am Fuße von Machu Picchu.
Und diese Zugfahrt war ohne Zweifel die schönste, die wir jemals erlebt haben. Die Strecke führte direkt durch das Urubamba Tal. Neben uns rauschten wilde Flüsse durch die Schluchten, während links und rechts die riesigen Anden aufragten. Immer wieder fuhren wir an steilen Felswänden, kleinen Wasserfällen und dichtem Nebelwald vorbei. Teilweise wirkte die Landschaft so surreal, dass man gar nicht wusste, ob man gerade aus dem Fenster schaut oder einen Film sieht. Je näher wir Aguas Calientes kamen, desto dichter wurde die Vegetation. Die Luft fühlte sich plötzlich tropischer an, feuchter und wärmer als zuvor in den Hochanden.
Gegen Sonnenuntergang erreichten wir schließlich Aguas Calientes und wurden direkt von strömendem Regen empfangen. Es regnete wirklich wie aus Eimern. Aguas Calientes, offiziell eigentlich Machu Picchu Pueblo genannt, liegt tief eingebettet zwischen steilen, grünen Bergen direkt am Río Urubamba. Der Ort existiert fast ausschließlich wegen Machu Picchu und wirkt dadurch wie eine Mischung aus Dschungelstadt, Touristenort und kleiner Andensiedlung. Durch die engen Straßen ziehen sich Restaurants, kleine Hotels, Cafés und Souvenirläden, während überall das Rauschen des Flusses zu hören ist. Durch die hohe Luftfeuchtigkeit und die umliegenden Berge hängt oft Nebel über dem Tal, was dem gesamten Ort eine fast mystische Atmosphäre verleiht. Wir checkten schließlich im Gringo’s Bill’s Boutique Hotel ein. Merkwürdigerweise hatten wir das Gefühl, fast die einzigen Gäste dort zu sein. Genau das machte alles noch gemütlicher und entspannter. Sofort fühlten wir uns wohl.
Dieses Tal und auch der gesamte Ort hatten eine ganz besondere Aura. Irgendetwas an diesem ständigen Regen, den dunklen Bergen, dem Fluss und den kleinen beleuchteten Gassen fühlte sich unglaublich magisch an.Der Regen begleitete uns den gesamten Abend und auch die ganze Nacht. Natürlich gingen wir trotzdem noch essen. Nach den langen Reisetagen hatten wir uns das definitiv verdient. Anschließend kauften wir uns noch eine gute Flasche peruanischen Rotwein.
Zurück im Hotel ließen wir den Abend ruhig ausklingen. Während draußen der Regen gegen die Fenster prasselte, ließen wir gemeinsam die bisherigen Tage unserer Reise Revue passieren. Wüste. Hochanden. Lagunen. Endlose Straßen. Cusco. Die Inka Geschichte. Und während wir dort saßen, stieg die Anspannung Stück für Stück. Denn am nächsten Morgen sollte endlich der Moment kommen, von dem wir so lange geträumt hatten.
Machu Picchu war schon immer ein absoluter Lebenstraum von uns gewesen.
Tag 12 – Machu Picchu (10.02)
Heute war endlich der Tag gekommen, auf den wir uns wahrscheinlich am meisten gefreut hatten: Machu Picchu.
Schon früh am Morgen machten wir uns gemeinsam auf den Weg zur berühmtesten Inkastätte Südamerikas. Eigentlich hatten wir Bustickets gekauft, um bequem nach oben zu fahren, doch spontan entschieden wir uns anders. Wir wollten zu Fuß hinauf. Bereits auf dem Weg zum Wanderpfad merkten wir, wie besonders dieser Morgen war. Zwischen den feuchten Pflanzen und den dichten Bäumen flatterten überall wunderschöne Schmetterlinge umher. Manche leuchteten fast unwirklich blau, andere verschwanden zwischen den grünen Blättern des Dschungels. Zusammen mit dem leichten Nebel, der zwischen den Bergen hing, wirkte alles wie der Beginn eines Abenteuerfilms.
Im Internet hatten wir vorher unzählige Geschichten gelesen: Der Weg sei extrem anstrengend, man müsse wochenlang trainieren und ohne perfekte Kondition würde man dort völlig eingehen. Natürlich ist der Aufstieg fordernd, die Stufen sind hoch und die Luftfeuchtigkeit macht den Weg zusätzlich anstrengend. Aber wir können wirklich ehrlich sagen: Der Weg ist absolut machbar. Man kann jederzeit Pausen einlegen, und der Pfad verläuft größtenteils im Schatten zwischen den Bäumen. Genau das macht den Aufstieg irgendwie besonders.
2.430 m
über dem Meerespiegel
Der Aufstieg von Aguas Calientes nach Machu Picchu umfasst ungefähr 1.700 bis 1.800 Steinstufen.
Im Jahr 1450
wurde es erbaut
Machu Picchu blieb nach dem Untergang des Inkareiches über 400 Jahre weitgehend verborgen.
700 Terassen
1 von 7 Weltwundern
In Machu Picchu gibt es über 200 erhaltene Bauwerke, darunter Tempel, Wohnhäuser, Lager, Plätze und Terrassen.
Fakten über Machu Picchu
Die Inkastadt wurde vermutlich im 15. Jahrhundert unter dem Inka Herrscher Pachacútec erbaut. Bis heute ist nicht vollständig geklärt, welchem Zweck Machu Picchu genau diente.
Machu Picchu liegt auf etwa 2.430 Metern Höhe mitten in den peruanischen Anden und wird von steilen Bergen sowie dichtem Nebelwald umgeben. Genau diese abgeschiedene Lage machte die Stadt jahrhundertelang nahezu unsichtbar für die Außenwelt. Besonders faszinierend: Die spanischen Eroberer fanden Machu Picchu niemals. Während viele andere Inkastätten zerstört wurden, blieb dieser Ort versteckt und dadurch außergewöhnlich gut erhalten. Das Wetter rund um Machu Picchu verändert sich extrem schnell. Innerhalb weniger Minuten kann dichter Nebel aufziehen oder plötzlich die Sonne durchbrechen. Genau deshalb sehen Fotos der Anlage oft völlig unterschiedlich aus.
Machu Picchu
Wer zu Fuß nach Machu Picchu geht, beginnt den eigentlichen Weg auf einem steinigen, teilweise sehr steilen Dschungelpfad. Die alten Stufen ziehen sich in engen Serpentinen durch den dichten Grünwald hinauf. Die Luft ist feucht und warm, überall hört man Vögel, Wasserrauschen und das Rascheln des Dschungels. Je höher man steigt, desto häufiger öffnet sich zwischen den Bäumen der Blick ins Tal. Tief unter einem rauscht der Río Urubamba durch die Schlucht, während die Berge immer gewaltiger wirken.
Und während wir langsam höher stiegen, wurde eines immer deutlicher: Luca machte sich mittlerweile seit Tagen Sorgen wegen des Wetters. Nicht wegen Regen oder des Aufstiegs, sondern wegen des Lichts. Als Fotograf hatte er genau zwei absolute Albtraum Szenarien im Kopf: entweder dichter Nebel, bei dem man Machu Picchu am Ende überhaupt nicht sieht, oder strahlend blauer Himmel mit brutaler Mittagssonne. Fotografisch gesehen ungefähr vergleichbar mit einem persönlichen Weltuntergang.
Im Internet hatten wir Bilder gesehen, auf denen Leute praktisch nur eine weiße Wand aus Nebel fotografierten und danach behaupteten: „Da hinten müsste irgendwo Machu Picchu sein.“ Gleichzeitig gibt es natürlich auch die andere Variante: wolkenloser Himmel, knallhartes Licht und Schatten, die aussehen, als hätte jemand die Kontraste auf 300 Prozent gestellt. Luca schwankte die ganze Wanderung irgendwo zwischen Hoffnung, leichter Panik und professioneller Wetteranalyse. Alle paar Minuten wurde der Himmel kritisch beobachtet, als könnte er persönlich Einfluss darauf nehmen.
Videozeit in Machu Picchu
Hier könnt ihr unser Video aus unserer Zeit bei Machu Picchu ansehen. Die Aufnahmen geben noch einmal einen ganz anderen Eindruck davon, wie sich dieser besondere Tag wirklich angefühlt hat. Der lange Weg durch die Anden, der frühe Aufbruch, die letzten Schritte hinauf zur Inkastätte und schließlich dieser erste Blick über die gewaltigen Ruinen mitten in den Bergen.
Zwischen Nebelschwaden, wechselndem Wetter und den steil abfallenden Terrassen wirkte Machu Picchu fast unwirklich. Mal lag die gesamte Anlage geheimnisvoll in den Wolken verborgen, dann riss der Himmel plötzlich auf und gab den Blick auf die monumentale Landschaft frei. Genau dieses Spiel aus Licht undRegen machte den Moment so besonders.
Oben angekommen mischten sich Staunen, Erschöpfung und pure Faszination. Jeder Blick über die alten Steinmauern, die Terrassen und die umliegenden Gipfel fühlte sich an wie ein kurzer Moment außerhalb der Zeit.
Mit dem Video möchten wir euch noch ein Stück näher an dieses Gefühl heranbringen und euch zeigen, warum Machu Picchu für uns weit mehr war als nur ein Reiseziel.
Ein Ausblick für die Ewigkeit
Nach etwa ein bis anderthalb Stunden erreichten wir schließlich das Eingangstor zu Machu Picchu. Und dort änderte sich die Stimmung plötzlich komplett. Aus Ruhe und Natur wurde schlagartig Trubel. Große Reisegruppen, Guides mit bunten Flaggen, Sicherheitskontrollen und lange Warteschlangen bestimmten plötzlich das Bild. Trotz gültiger Tickets mussten auch wir warten, weil der Einlass streng zeitlich geregelt wird. Die Sonne stand inzwischen höher, die Luft fühlte sich schwer an, und überall warteten Menschen gespannt auf ihren Moment. Gerade das machte die Spannung fast noch intensiver. Zwischen den Menschen konnte man bereits die ersten Steinmauern und Terrassen erkennen, doch gleichzeitig war die eigentliche Anlage noch verborgen. Und dann kam dieser Augenblick.
Der Moment, in dem wir zum ersten Mal vollständig auf Machu Picchu hinabblickten, war intensiver, als wir es uns jemals vorgestellt hatten. Dichte Wolken hingen tief zwischen den Bergen. Gleichzeitig begann es ganz leicht zu regnen, kaum mehr als ein feiner Schleier in der Luft, der die alten Steine dunkler färbte. Und plötzlich passierte etwas völlig Unerwartetes: Durch den Regen und das Licht, das langsam durch die Wolken brach, spannte sich ein zarter Regenbogen direkt über die Anlage. Es wirkte fast unwirklich. Die Terrassen von Machu Picchu leuchteten in sattem Grün, die uralten Mauern wirkten durch die Nässe noch intensiver, und darüber dieser Regenbogen. Für einen kurzen Moment sah alles aus wie ein perfekt gemaltes Bild. Und ausgerechnet Luca, der sich tagelang Sorgen um Licht, Wetter und Nebel gemacht hatte, bekam am Ende wahrscheinlich die schönste Atmosphäre, die man sich dort überhaupt wünschen kann. Kein brutaler Himmel, kein kompletter Nebel. Stattdessen Wolken, leichter Regen, weiches Licht und ein Regenbogen über Machu Picchu. Fotografenherz erfolgreich beruhigt.
Wir standen einfach nur still da. In diesem Moment war alles andere plötzlich egal: der anstrengende Aufstieg, das Warten am Eingang und die vielen Menschen um uns herum. Obwohl wir nicht alleine dort waren, fühlte sich dieser Augenblick unglaublich ruhig und fast privat an. Wir sahen uns nur kurz an und wussten beide sofort, dass wir gerade etwas erleben, das sich wahrscheinlich für immer einprägen würde. Dieser erste Blick auf Machu Picchu, mit den tiefen Wolken, dem leichten Regen und dem Regenbogen, hat sich viel stärker eingebrannt als jede perfekte Postkartenansicht es jemals könnte. Während wir noch völlig in diesem Moment versunken waren, trat plötzlich ein Aufpasser freundlich auf uns zu. Ohne dass wir etwas sagen mussten, bot er uns lächelnd an, ein Foto von uns zu machen. Diese kleine Geste passte perfekt zu diesem Augenblick. Unaufdringlich, herzlich und genau im richtigen Moment. Wir stellten uns gemeinsam vor die beeindruckende Inkastätte, während hinter uns die Terrassen leuchteten und der Regenbogen noch immer schwach über den Bergen hing.
Als wir später das Bild anschauten, wussten wir sofort, dass es viel mehr war als nur ein schönes Foto. Es war eine Erinnerung an genau dieses Gefühl: gemeinsam dort zu stehen und einen Augenblick zu erleben, den man niemals planen kann. Natürlich hätten wir am liebsten noch Stunden dort oben verbracht. Doch irgendwann mussten wir uns langsam auf den Rückweg machen, denn die Anlage würde bald schließen. Auf dem Rückweg begann es immer stärker zu regnen. Zunächst begleiteten uns zwei unglaublich treue Straßenhunde auf dem gesamten Wanderweg zurück durch den Dschungel Richtung Stadt. Einer der Hunde änderte irgendwann die Richtung und wurde langsam immer kleiner, je weiter wir uns entfernten. Der zweite Hund, ein schwarzer Labrador, blieb jedoch die ganze Zeit bei uns. Er lief uns hinterher, den kompletten Weg bis fast zurück zum Hotel. Erst kurz vor dem Ziel konnte er nicht mehr mithalten. Als wir schließlich wieder im Hotel ankamen und an der Rezeption standen, schauten wir noch einmal aus dem Fenster. In einiger Entfernung konnten wir sehen, wie der Hund suchend in alle Richtungen blickte, als würde er nach uns Ausschau halten. Irgendwie war dieser Moment unglaublich süß und traurig zugleich. Am liebsten hätten wir ihn einfach mitgenommen, aber natürlich ging das nicht.
Der Abend in Aguas Calientes fühlte sich später fast magisch an. Hand in Hand spazierten wir durch die schmalen Gassen der Stadt, während das Rauschen des Río Urubamba unser ständiger Begleiter war. Der wilde Fluss zog mitten durch die Stadt und reflektierte dabei das warme Licht der Nacht. Überall gab es kleine Geschäfte, Cafés und Restaurants zu entdecken. Nach all den Eindrücken suchten wir uns erneut ein gemütliches Restaurant und bestellten etwas Leckeres zu essen. Nebenbei lief wieder Fußball, was Luca natürlich glücklich machte. Nach dem Essen gingen wir noch ein Stück spazieren. Besonders wunderschön waren die vielen Laternen, die über dem Wasser hingen. Ihre kunstvollen Verzierungen warfen verspielte Schatten auf die Wellen und tauchten die Wege in ein warmes, goldenes Licht. Zwischen den steilen Bergwänden, dem Rauschen des Flusses und dem sanften Licht wirkte alles plötzlich unglaublich ruhig.
Es war einer dieser seltenen Augenblicke, in denen die Welt für einen kurzen Moment einfach stillzustehen scheint.
Tag 13 – Moray, Maras und zurück nach Cusco (11.02)
Am Morgen ging es für uns zurück nach Ollantaytambo. Unser Zug, der Expedition 72, fuhr um 08:53 Uhr, sodass wir spätestens um 08:15 Uhr am Bahnhof sein mussten. Zurück in Ollantaytambo hatten wir noch etwas Zeit, den Ort weiter zu erkunden, und verließen am Mittag die Region rund um Ollantaytambo. Statt Bus oder Zug hatten wir diesmal die Freiheit mit einem eigenen Fahrer, flexibel anzuhalten und genau das machte diesen Tag so besonders.
Unser erstes Ziel waren die kreisförmigen Terrassen von Moray. Schon aus der Ferne wirkten sie wie riesige, in die Erde eingelassene Schüsseln. Als wir näher kamen, wurde klar, dass es sich nicht um eine natürliche Formation handelt, sondern um ein beeindruckendes landwirtschaftliches Versuchslabor der Inka. Die konzentrischen Terrassen erzeugen unterschiedliche Mikroklimata auf jeder Ebene, mit jeweils eigener Temperatur, Feuchtigkeit und Sonneneinstrahlung. Die Inka nutzten diesen Ort vermutlich, um Pflanzen an verschiedene Höhenlagen anzupassen und landwirtschaftliche Erkenntnisse zu gewinnen. Es ist faszinierend zu sehen, wie wissenschaftlich durchdacht diese Anlage schon vor Jahrhunderten war.
Salineras de Maras
Von dort aus ging es weiter zu den Salzterrassen von Salineras de Maras. Schon die Anfahrt war beeindruckend, aber der Blick auf die Anlage übertraf alles. Hunderte, fast tausende kleine Becken ziehen sich wie ein riesiges Mosaik über den Berghang. In der Sonne schimmern sie in Weiß, Beige und leicht rötlichen Tönen und passen sich perfekt in die karge Andenlandschaft ein.
Das Prinzip dahinter ist erstaunlich einfach und gleichzeitig genial. Eine stark salzhaltige Quelle speist ein ausgeklügeltes Kanalsystem, das das Wasser von Becken zu Becken leitet. Durch Sonne und Wind verdunstet das Wasser langsam, bis nur noch das Salz übrig bleibt, das anschließend von Hand geerntet wird. Diese Methode stammt noch aus der Zeit der Inka und wird bis heute von lokalen Familien weitergeführt, oft über Generationen hinweg.
Auch wir haben dort Salz gekauft, das wir bis heute tatsächlich in unserer Küche verwenden und jedes Mal wieder an diesen Ort erinnert.
Zurück nach Cusco
Nach diesen beiden Stopps ging es weiter in Richtung Cusco. Dort angekommen holten wir unseren nächsten Mietwagen ab, und damit begann für uns ein neuer, spannender Abschnitt der Reise. Zum ersten Mal hatten wir wirklich die Möglichkeit, eigene Routen zu fahren und Orte zu erreichen, die sonst kaum jemand einfach so in der Region Cusco besucht. Genau darauf waren wir besonders gespannt.
Am Abend verließen wir Cusco wieder und fuhren mit dem Mietwagen tief hinein in ein abgelegenes Tal der Anden. Die Landschaft wurde dabei immer ruhiger, ursprünglicher und einsamer, je weiter wir uns von der Stadt entfernten. Nach etwa 110 Kilometern und rund 2 Stunden und 15 Minuten erreichten wir Sangarara, wo wir in der Sara Wasi Lodge übernachteten. Diese Lodge war wirklich etwas ganz Besonderes. Von innen war das Haus komplett mit Holz verkleidet, klein, aber unglaublich gemütlich und vor allem warm, was nach den kühlen Andentemperaturen sofort gut tat. Der Besitzer war super freundlich, und ich erinnere mich noch genau daran, dass er einen weißen Pullover aus Alpaka Wolle trug. Wir bekamen sogar dicke, neue Wollsocken mit Etikett, was sich fast schon surreal fürsorglich anfühlte. Im Haus gab es dicke Decken, Wärmflaschen und einen Ofen, den wir direkt anmachten, um es richtig kuschelig zu haben. Abends kochten wir uns wieder Nudeln mit peruanischer Sauce und tranken einen Muna Tee, also Andenminze. Danach ließen wir den Tag ruhig ausklingen und gingen schlafen.
Tag 14 – Waqrapukara (12.02)
Der nächste Abschnitt unserer Reise führte uns zu einem der abgelegensten und gleichzeitig beeindruckendsten Orte der gesamten Reise: Waqrapukara.
Die Anlage besteht aus Terrassen, Plätzen und Überresten von Wohn- und Zeremonialstrukturen. Von hier oben hat man einen atemberaubenden Blick in die umliegenden Täler und tief hinunter zum Apurímac Fluss. Dieser Ort diente vermutlich nicht nur als Festung, sondern auch als religiöses und zeremonielles Zentrum.
Interessant ist auch, dass Waqrapukara ursprünglich bereits von Kulturen vor den Inka genutzt wurde. Im 15. Jahrhundert wurde die Stätte dann vom Inka-Reich erweitert und in ihr eigenes System integriert. Damit trägt dieser Ort eine vielschichtige Geschichte in sich, die weit über die Inka Zeit hinausgeht.
4x4
Schon die Vorbereitung auf diesen Tag fühlte sich besonders an. Wir hatten am Vortag in Cusco unseren 4x4 Mietwagen übernommen, und ehrlich gesagt war das ein absoluter Glücksgriff. Ich hatte den Kontakt bereits während unserer Reiseplanung in Deutschland aufgebaut. Eine kleine, sehr herzliche Agentur aus Cusco, die uns über WhatsApp durchgehend unterstützt hat, bei jeder Frage sofort da war und uns wirklich bei allem geholfen hat, was man auf so einer Reise braucht.
An dieser Stelle fast schon ein kleiner Insider Tipp in eigener Sache: Wer eine zuverlässige Mietwagenlösung in Cusco sucht, kann nach Salmad Rent a Car Cusco suchen oder sich gerne bei uns melden. Wir stellen den Kontakt zu Edgar und seinem Team gerne her. Eine wirklich außergewöhnlich freundliche und hilfsbereite Agentur.
Die Anfahrt - Eine Expedition für Sich
Die Fahrt nach Waqrapukara war nichts weniger als eine kleine Expedition. Etwa drei Stunden pro Strecke über eine absolute Hückelpiste, die uns teilweise komplett die Orientierung raubte. Mal wusste man nicht mehr, wo oben und unten ist, dann wieder kämpfte sich der Wagen durch steinige Passagen, während sich die Straße irgendwo im Nichts verlor. Immer wieder hatten wir das Gefühl, komplett abgeschnitten zu sein. Stundenlang kein Empfang, keine Orientierung, nur wir, der Wagen und die Anden. Genau hier wurde uns wieder bewusst, wie wertvoll der 4x4 war. Ohne ihn wäre diese Strecke schlicht nicht machbar gewesen.
Die Route erinnerte uns stark an unsere ersten Tage in den Hochanden bei Huaraz: dieselbe Mischung aus Respekt, Staunen und einem leichten Gefühl von „Was machen wir hier eigentlich gerade?“. Wir bewegten uns ständig zwischen 3000 und 4000 Metern Höhe, vorbei an endlosen Hochebenen und einsamen Landschaften. Unterwegs durchquerten wir auch einen kleinen Ort namens Santa Lucía. Ein winziges Andendorf, fast surreal, dass hier überhaupt Menschen leben. Kaum vorstellbar, dass sich hier oben im Nichts ein ganzes Leben abspielt. Nur sehr selten verirren sich Wanderer oder Reisende hierher und genau das machte die Fahrt noch intensiver.
Der gesamte Weg fühlte sich nicht wie eine normale Anfahrt an, sondern eher wie eine Tomb Raider Expedition: abgelegen, roh, unberechenbar und gleichzeitig unglaublich faszinierend. Waqrapukara war dabei weder besser noch schlechter als Machu Picchu.Einfach völlig anders. Ursprünglicher, rauer und fast unberührt. Schon der letzte Abschnitt zur Stätte selbst war eindrucksvoll. Die Landschaft öffnete sich immer wieder in weiten, grünen Hochebenen, die plötzlich von schroffen Felsformationen und tiefen Schluchten unterbrochen wurden. Täler dehnten sich scheinbar endlos aus, während sich die Berge in dramatischen Formen am Horizont abzeichneten.
Als wir schließlich Waqrapukara erreichten, wurde sofort klar, warum dieser Ort so besonders ist. Die Anlage liegt spektakulär auf einem steilen Felsvorsprung, der wie ein natürliches Plateau aus der Landschaft herausragt. Der Name bedeutet „Hornfestung“ und bezieht sich auf die markanten, hornartigen Felsformationen, die den Ort umgeben und ihm seine charakteristische Silhouette geben. Die Inka bauten ihre Strukturen hier so, dass sie sich perfekt an die natürliche Form des Gesteins anpassen. Massive Mauern, Terrassen und kleine Gebäudereste schmiegen sich regelrecht in den Fels hinein, als wären sie ein Teil der Natur selbst. Alles wirkt präzise geplant und gleichzeitig organisch gewachsen.
Die Anlage besteht aus Terrassen, Plätzen und Überresten von Wohn- und Zeremonialstrukturen. Von hier oben hat man einen atemberaubenden Blick in die umliegenden Täler und tief hinunter zum Apurímac Fluss. Dieser Ort diente vermutlich nicht nur als Festung, sondern auch als religiöses und zeremonielles Zentrum. Interessant ist auch, dass Waqrapukara ursprünglich bereits von Kulturen vor den Inka genutzt wurde. Im 15. Jahrhundert wurde die Stätte dann vom Inka-Reich erweitert und in ihr eigenes System integriert. Damit trägt dieser Ort eine vielschichtige Geschichte in sich, die weit über die Inka Zeit hinausgeht. Als wir dort standen, fühlte es sich an, als wären wir wirklich an einem der abgelegensten Orte der Reise angekommen. Kein Lärm, keine Menschenmassen, kein Trubel. Nur Wind, Höhe und diese unglaubliche Kulisse.
Waqrapukara war kein klassisches Highlight im touristischen Sinne. Es war ein Erlebnis. Roh, intensiv und genau deshalb unvergesslich.
Tag 15 – Palcoyo Rainbow Mountain und eine verlassene Kirche (13.02)
Schon über zwei Wochen waren wir nun unterwegs. Bei so vielen Erlebnissen und Abenteuern vergeht die Zeit wirklich wie im Flug. Wenn wir zurückdenken wirkt alles fast unwirklich schnell als hätte jede Etappe die nächste gejagt. Gleichzeitig ist da dieses tiefe Gefühl von Dankbarkeit das sich kaum in Worte fassen lässt. All das hier erleben zu dürfen fühlt sich bis heute unglaublich besonders an.
Am 15. Tag führte uns unsere Reise zu den weniger bekannten Regenbogenbergen von Palcoyo Rainbow Mountain die oft auch als Palay Punchu bezeichnet werden. Schon der Weg dorthin war ein echtes Abenteuer. Luca und ich fuhren mit unserem 4x4 Mietwagen über holprige unebene Straßen,die sich tief durch die abgelegene Andenlandschaft genau wie am Vortag zogen. Die Strecke war voller Schlaglöcher und zog sich scheinbar endlos dahin. Genau diese Abgeschiedenheit machte den Ort jedoch besonders.
Als wir ankamen waren wir fast allein. Nur zwei weitere Wanderer sahen wir in der Ferne die langsam weiter in Richtung der Berge aufstiegen. Kein Trubel keine Menschenmassen nur Weite Stille und Natur. Es war windig und kalt und der Wind fegte kräftig über die Hochebene. Trotzdem waren wir zum Glück warm genug angezogen.
Videozeit in den Rainbow Mountains
Hier könnt ihr unser Video von den Rainbow Mountains in Peru ansehen. Die Aufnahmen zeigen noch einmal sehr gut, wie diese Landschaft wirklich wirkt und wie besonders der Tag dort für uns war. Die lange Fahrt durch die Anden, die holprigen Straßen und schließlich der Moment, in dem sich die farbigen Berge vor uns geöffnet haben.
Die Rainbow Mountains wirken in echt fast schon unwirklich. Rote, gelbe, grüne und violette Farbschichten ziehen sich durch das Gestein und entstehen durch unterschiedliche Mineralien, die über Millionen von Jahren abgelagert wurden. Dazu kommt die enorme Höhe von über 5000 Metern, die den Besuch auch körperlich zu einer kleinen Herausforderung macht.
Vor Ort waren wir zum Glück fast allein unterwegs, was die Erfahrung noch intensiver gemacht hat. Nur Wind, Weite und diese außergewöhnliche Landschaft, die man so kaum irgendwo anders auf der Welt findet.
Mit dem Video möchten wir euch einen ehrlichen Eindruck davon geben, wie es wirklich ist, dort oben zu stehen und diese Berge mit eigenen Augen zu sehen.
Viel Spaß beim Anschauen.
Ein geologisches Wunder der Anden
Die Rainbow Mountains von Peru gehören zu den eindrucksvollsten Naturphänomenen der Anden und wirken auf den ersten Blick fast unwirklich. Die bekanntesten Berge dieser Art liegen in der Region Cusco und werden oft als Vinicunca oder Palcoyo bezeichnet. Beide Orte zeigen dieselbe geologische Besonderheit, unterscheiden sich aber stark in Zugänglichkeit und Atmosphäre.
Entstanden sind die farbigen Streifen über Millionen von Jahren. Ursprünglich lag die gesamte Region unter dem Meer. Durch tektonische Verschiebungen der Andenplatten wurden Sedimentschichten aus verschiedenen Mineralien langsam angehoben und übereinandergeschoben. Eisenverbindungen, Schwefel, Kupfer und andere Mineralien oxidierten im Laufe der Zeit unterschiedlich stark und erzeugten dadurch die charakteristischen Farbschichten. Rot, Gelb, Grün, Türkis und Violett sind keine künstlichen Farben, sondern das Ergebnis natürlicher chemischer Prozesse. Etwas weniger bekannt, aber ebenso beeindruckend ist der Palcoyo Rainbow Mountain. Diese Region besteht nicht nur aus einem einzelnen Berg, sondern aus mehreren farbigen Hügeln und Formationen. Palcoyo liegt etwas niedriger und ist deutlich einfacher zu erreichen, wodurch der Ort oft ruhiger ist und weniger Besucher anzieht. Während Vinicunca fast wie ein einzelner ikonischer Gipfel wirkt, bietet Palcoyo eher eine weitläufige Landschaft aus Farbschichten. Neben den Farben ist auch die Umgebung bemerkenswert. Beide Regionen liegen in den Hochanden, oft zwischen 4500 und 5000 Metern Höhe. Die Vegetation ist spärlich, geprägt von Grasarten wie Ichu, die extremen Wetterbedingungen standhalten können. Temperaturen können innerhalb eines Tages stark schwanken, von eisiger Kälte am Morgen bis intensiver Sonneneinstrahlung am Mittag.
Schritt für Schritt gingen also nach oben und mit jedem Höhenmeter wurde die Landschaft beeindruckender. Die Berge wirkten kaum real so farbenfroh dass man sie mit den Augen kaum fassen konnte. Rote gelbe grüne blaue und violette Streifen zogen sich durch das Gestein als hätte jemand die Landschaft bemalt. Noch heute habe ich dieses Bild klar vor mir. Gemeinsam liefen wir bis ganz nach oben. Es war ein unglaubliches Gefühl von Freiheit nur wir der Wind und diese gewaltige Natur. Oben angekommen fühlte sich alles weit offen und fast grenzenlos an. Als wir hinunterschauten entstand ein starkes Gefühl von Ruhe und Stolz zugleich. Wir waren den ganzen Weg hinaufgelaufen hatten die Höhe und die Bedingungen angenommen und genau das machte diesen Moment so besonders.
Wir ließen die Drohne steigen machten Fotos und genossen diesen Augenblick bevor wir uns langsam wieder auf den Rückweg zum Auto machten. Unser Tag war jedoch noch nicht zu Ende. Der letzte Stopp führte uns zu einer verlassenen Kirche direkt an der Straße. Nach etwa einer Stunde Fahrt kamen wir dort an. Die Kirche lag still in der Landschaft fast vergessen und gleichzeitig sehr eindrucksvoll. Der Himmel war zunächst etwas bewölkt also warteten wir geduldig bis sich das Licht besserte. Wenig später brach die Sonne durch die Wolken und plötzlich hatten wir perfekte Bedingungen für Fotos.
Ein stiller fast mystischer Ort als Abschluss eines ohnehin schon intensiven Tages.
Tag 16 –Vom Hochland direkt in den Dschungelwahnsinn (14.02)
Die nächsten zwei Tage sollten uns einen Traum erfüllen, den wir beide eigentlich schon unser ganzes Leben im Kopf hatten. Einmal wirklich im Amazonas unterwegs sein. Nicht als Bildschirmschoner oder YouTube Doku, sondern echt, nass, laut und mittendrin.
Schon bei der Planung unserer Peru Reise stand fest, dass wir uns diesen Teil ganz am Ende gönnen. Klar war auch früh, dass es nach Iquitos gehen soll, tief hinein in den Amazonas Regenwald, direkt an den großen Fluss. Klingt entspannt, ist es aber nicht. Dazu später mehr.
Der eigentliche Ursprung dieses ganzen Umwegs war allerdings ein klassischer „ich kann nicht schlafen und scrolle durchs Internet“ Moment. Irgendwann nachts bin ich über ein Video gestolpert, in dem ein Forscher Fledermäuse untersucht hat. Und irgendwo in diesem Clip tauchte plötzlich eine alte Antonov mitten im peruanischen Dschungel auf. Ich war sofort hellwach. Steffi übrigens auch, ob sie wollte oder nicht.
Nach einer sehr intensiven Recherche Nacht stand fest: Dieses Flugzeug gibt es wirklich. Es steht irgendwo tief im Regenwald auf einer kleinen Biostation. Und noch besser, man kann dort tatsächlich hinkommen. Von Cusco aus. Klingt erstmal harmlos, ist aber in Wahrheit eine mehrtägige Fahrt über die Anden direkt in den Amazonas. Rückblickend kann man sagen: absolut verrückt.
Der Übergang in eine andere Welt
Am 16. Tag begann dann der Abschnitt, der sich rückblickend eher wie ein Levelwechsel in einem Videospiel angefühlt hat. Nur ohne Speicherpunkt.
Wir verließen die Hochanden und fuhren Richtung Pilcopata. Und schon nach kurzer Zeit war klar: Jetzt wird es ernst. Die Landschaft hat sich nicht langsam verändert, sie hat einfach beschlossen, komplett anders zu werden.
Die Straße wurde zu einer Mischung aus Abenteuerfilm und Geländetest für 4x4 Fahrzeuge. Unzählige Kurven, steile Abfahrten, Schlamm, Schlaglöcher und immer wieder Passagen, bei denen wir uns gefragt haben, ob das hier überhaupt noch als Straße gilt oder schon eher als „optimistischer Vorschlag“.
Teilweise sind wir durch regelrechte Wasserläufe gefahren. Der Mietwagen sah irgendwann aus, als hätte er gerade ein Schlammbad gewonnen. Und ehrlich gesagt waren wir sehr dankbar, dass wir nicht am Steuer eines normalen Mietwagens saßen, sondern in unserem robusten Offroad Monster.
Ein Highlight war definitiv die Durchfahrt durch eine kleine Höhle. Ja, wirklich. Eine Straße durch einen Berg. Drinnen tropfte Wasser von der Decke, der Wagen stand halb im Wasser, und es fühlte sich kurz an wie eine Szene aus einem Abenteuerfilm, bei dem man nicht sicher ist, ob alles gut ausgeht. Aber irgendwie ging es immer weiter.
Willkommen im Dschungel
Je weiter wir fuhren, desto mehr hat sich die Welt um uns verändert. Die Luft wurde schwerer, wärmer und feuchter. Irgendwann hatten wir das Gefühl, der Dschungel zieht sich einfach langsam um uns herum zu wie eine Decke.Nebelschwaden hingen zwischen den Bäumen, die Sicht wechselte ständig zwischen „Wow Aussicht“ und „Wir sehen gerade nur grün und hoffen, dass die Straße noch existiert“.Und dann dieses Moos. Kein normales Moos. Sondern dieses leuchtend grüne, dicke, fast flauschige Zeug, das an allem hing, was nicht schnell genug weggegangen ist. Es hing in langen Fäden von den Bäumen und bewegte sich im Wind, als hätte der Wald selbst gerade gute Laune. Dazu kam ein Soundtrack, den man nicht abschalten konnte. Zirpen, Summen, Rascheln, irgendwo knackt es immer, und man weiß nie, ob es ein Vogel, ein Tier oder einfach der Dschungel ist, der sich gerade bewegt. Die Pflanzen wurden größer, wilder und irgendwie auch selbstbewusster. Farne wie aus einer anderen Zeit, Lianen überall, und alles in so vielen Grüntönen, dass man irgendwann aufhört zu zählen.
Laguna Machuwasi
Am ersten der beiden Tage fuhren wir mit dem Auto durch die Region Manu und wollten noch einige tolle Eindrücke einfangen. Während Luca die Drohne startete, wartete ich im Auto. Direkt neben mir stand ein kleines Lehmhaus mit Wellblechdach, unter dem sich fünf Hühner zusammengerottet hatten. Der Regen störte sie nicht im Geringsten. Sie wirkten völlig zufrieden, pickten gelassen in der nassen Erde und schienen den Amazonas einfach ihr Zuhause zu nennen, ohne sich jemals über Wetter oder Fotolicht Gedanken zu machen.
Anschließend ging es weiter zur Laguna Machuwasi, einem stillen Gewässer mitten im Regenwald. Dort überquerten wir den See zum ersten Mal mit einem einfachen Floß. Allein dieser Moment war schon besonders: langsam glitten wir über das dunkle Wasser, umgeben von nichts als dichtem Grün, riesigen Bäumen und den Geräuschen des Dschungels. Genau solche Szenen hatten wir uns immer erträumt, wenn wir an den Amazonas gedacht hatten. Jetzt waren wir mittendrin.
Auf dem See entdeckten wir auch die berühmten Hoatzin Vögel. Meist saßen sie paarweise oder in kleinen Gruppen in den Bäumen und gaben seltsame, fast fauchende Geräusche von sich. Es war faszinierend, diese urtümlich wirkenden Tiere in freier Wildbahn zu beobachten. Irgendwann erreichten wir die andere Seite des Sees und entdeckten spontan unser eigenes kleines Fotomotiv, das wir „Silencio“ nannten. Der Name passte perfekt, denn trotz der vielen Geräusche des Regenwaldes lag über diesem Ort eine unglaubliche Ruhe.
Wir checkten in der Manu Galitos de la Rocas Lodge ein und mussten erst mal verarbeiten was wir hier erlebt haben.
Videozeit im Manu Nationalpark
Hier könnt ihr unser Video aus unserer Zeit im Parque Nacional de Manú ansehen. Die Aufnahmen zeigen noch einmal sehr gut, wie intensiv und besonders diese Tage im Amazonasgebiet wirklich waren. Die langen Fahrten von den Anden hinunter in den Regenwald, schlammige Straßen, dichter Nebelwald und schließlich das Gefühl, mitten in einer völlig anderen Welt angekommen zu sein.
Während unserer Zeit im Manu Gebiet besuchten wir unter anderem die Machuwasi Lagune, wo wir mit einem kleinen Floß durch den Regenwald glitten und dabei exotische Vögel, darunter auch Hoatzins, beobachten konnten. Außerdem verbrachten wir viel Zeit auf der Manu Biostation, wo wir den Dschungel teilweise komplett auf eigene Faust erkunden durften. Genau das machte diesen Ort so besonders.
Ein absolutes Highlight war für uns die alte Antonov mitten im Regenwald. Das verlassene Flugzeugwrack wirkte wie aus einem Abenteuerfilm. Überwuchert von Pflanzen, umgeben von dichtem Dschungel und voller Geschichten aus vergangenen Zeiten. Besonders bei Nacht hatte dieser Ort eine völlig surreale Atmosphäre.
Neben all den besonderen Orten zeigen die Aufnahmen auch, wie lebendig und vielfältig der Amazonas wirklich ist. Geräusche überall, riesige Pflanzen, Insekten, Affen und ständig das Gefühl, dass hinter dem nächsten Baum schon das nächste Abenteuer wartet.
Mit dem Video möchten wir euch einen möglichst authentischen Eindruck davon geben, wie sich unsere Zeit im peruanischen Amazonas angefühlt hat.
Viel Spaß beim Anschauen.
Tag 17 – Die Manu Biostation (15.02)
Der heutige Tag begann deutlich früher als geplant zumindest für Luca. An Schlaf war bei ihm kaum zu denken gewesen. Zu groß war die Aufregung wegen dieses einen Ortes, auf den wir uns seit Wochen gefreut hatten: das alte Flugzeugwrack mitten im Amazonasregenwald. Dieses geheimnisvolle Flugzeug, das irgendwo im Dschungel notgelandet war und langsam von der Natur verschlungen wurde, hatte uns schon seit Beginn der Reise fasziniert. Heute würden wir es endlich mit eigenen Augen sehen.
Noch im Morgengrauen wurden wir herzlich vom gesamten Forscherteam der Manu Biostation empfangen. Trotz der frühen Uhrzeit herrschte sofort eine besondere Stimmung. Zwischen dampfendem Kaffee, feuchter Morgenluft und den ersten Geräuschen des Regenwaldes erzählten uns die Forscher von ihrer Arbeit mitten im Amazonas. Man merkte sofort, wie sehr sie diesen Ort liebten.
Auf eigene Faust
Gemeinsam mit einem spezialisierten Guide brachen wir anschließend tief in den Dschungel auf. Er war Experte für Vogelbeobachtung und kannte hier scheinbar jeden Laut, jeden Baum und jede Bewegung im Unterholz. Ausgerüstet mit Ferngläsern liefen wir durch den langsam erwachenden Regenwald. Über uns bewegten sich Affen durch die Baumkronen, während exotische Vögel zwischen den Ästen verschwanden, noch bevor man sie richtig erkennen konnte. Später führte uns der Guide zu einer kleinen, unscheinbaren Holzhütte mitten im Wald. Durch ein kleines Fenster blickten wir auf eine freie Stelle zwischen den Bäumen. Dort sollte zu einer bestimmten Uhrzeit ein seltener Vogel auftauchen. Also warteten wir vollkommen still. Kein Wort, kaum Bewegung nur die Geräusche des Dschungels um uns herum. Nach ungefähr zwanzig Minuten geschah es tatsächlich: Für wenige Sekunden erschien der Vogel zwischen den Ästen, fast wie ein Schatten, bevor er sofort wieder im Grün verschwand. Kurz, aber absolut magisch.
Nach der Tour waren Luca und ich natürlich noch lange nicht fertig mit dem Abenteuer. Und genau das machte die Manu Biostation so besonders: Man durfte dort tatsächlich große Teile des Dschungels komplett auf eigene Faust erkunden. Keine Absperrungen, keine festen Gruppen, kein „bitte bleiben Sie auf dem Weg“ wie man es aus vielen touristischen Orten kennt. Stattdessen bekam man Wanderwege, grobe Richtungen und im besten Fall ein „passt auf euch auf“ mit auf den Weg.
Bevor wir loszogen, mussten wir allerdings unsere Namen und die Uhrzeit auf einer kleinen Tafel eintragen damit im Notfall wenigstens irgendjemand wusste, wo man ungefähr anfangen müsste zu suchen, falls wir vom Amazonas verschluckt werden sollten. Irgendwie beruhigend. Irgendwie auch überhaupt nicht beruhigend. Natürlich fanden wir diese Vorstellung eher aufregend als abschreckend. Also machten wir uns alleine auf den Weg hinein in den Regenwald. Und schon nach wenigen Minuten fühlte es sich an, als würden wir in eine andere Welt eintauchen. Je tiefer wir hineingingen, desto dichter wurde die Vegetation. Die Luft war schwer, warm und roch intensiv nach feuchter Erde, Moos und Pflanzen. Überall bewegte sich etwas. Kleine Echsen verschwanden blitzschnell zwischen den Wurzeln, Affen sprangen hoch oben durch die Baumkronen und ständig raschelte es irgendwo im Dickicht.
Die Geräuschkulisse war kaum zu beschreiben. Der Amazonas war niemals still. Es summte, knackte, zirpte und rauschte ohne Unterbrechung. Teilweise hörte es sich an, als würde der ganze Wald atmen. Riesige Farne, Monstera Pflanzen und dicke Lianen umgaben uns von allen Seiten. Alles wirkte größer, wilder und intensiver als irgendwo sonst auf der Welt. Und irgendwo zwischen völliger Euphorie und leichtem Orientierungssinnverlust merkten wir irgendwann, dass wir inzwischen schon gute zwei bis drei Stunden alleine mitten im Amazonas unterwegs waren. Handyempfang gab es natürlich schon lange keinen mehr. Nur wir, der Dschungel und dieses ständige Gefühl, dass hinter jedem Geräusch entweder etwas unglaublich Schönes oder etwas leicht Gefährliches warten könnte genau die Art von Abenteuer, die wir uns immer vorgestellt hatten.
Das Flugzeugwrack
Endlich war es so weit. Tief irgendwo im peruanischen Amazonas, versteckt zwischen dichtem Grün, riesigen Farnen und dem endlosen Geräuschteppich des Regenwaldes, tauchte plötzlich das Wrack der alten Antonov auf. Genau dieses Flugzeug, wegen dem Luca tagelang völlig nervös gewesen war. Seit Monaten hatten wir Bilder gesehen, recherchiert und uns gefragt, ob wir diesen Ort wirklich finden würden. Und dann stand es tatsächlich vor uns mitten im Dschungel der Manu Biostation, als hätte es dort schon immer hingehört.
Für einen kurzen Moment dachten wir wirklich, wir würden uns täuschen. Doch je näher wir kamen, desto surrealer wurde die Szene. Zwischen meterhohen Pflanzen ragten plötzlich rostige Tragflächen hervor. Moos bedeckte das Metall, dicke Lianen hatten sich um die Flügel gewickelt und aus dem offenen Rumpf wuchsen bereits Pflanzen heraus. Der Dschungel hatte begonnen, sich dieses Flugzeug Stück für Stück zurückzuholen.
Die Geschichte dahinter machte den Ort noch faszinierender. Das Flugzeug gehörte einst zur kleinen Luftfrachtgesellschaft AeroManu. Anfang der 1990er Jahre wollte Abel Muñiz mit seiner Airline entlegene Regionen des Amazonasgebiets miteinander verbinden. Dafür setzte er sowjetische Antonov 2 Maschinen ein robuste Doppeldecker aus den 1940er Jahren, gebaut für schwierige Bedingungen, kurze Landebahnen und abgelegene Regionen. Eigentlich perfekte Flugzeuge für den Amazonas. Doch der Dschungel ließ sich nicht bezwingen. Unberechenbares Wetter, heftiger Regen, schwierige Landungen und die gewaltigen Entfernungen machten den Betrieb extrem gefährlich. Mehrere Maschinen verunglückten innerhalb kurzer Zeit.
Eines dieser Flugzeuge blieb schließlich genau hier zurück mitten im Regenwald bei Villa Carmen. Anders als andere Maschinen wurde dieses Wrack nie geborgen. Jahrzehnte später liegt es noch immer dort, überwuchert von Farnen, Moos und tropischer Vegetation. Die Propeller stehen still, als hätte jemand mitten im Flug einfach die Zeit angehalten.
Wir standen einfach nur sprachlos davor. Kein Mensch weit und breit. Nur wir, das Wrack und die Geräusche des Amazonas. Überall zirpte, summte und knackte es. Zwischen den rostigen Metallteilen flatterten bunte Schmetterlinge hindurch, als wäre dieses Flugzeug längst ein natürlicher Teil des Waldes geworden. In manchen Löchern des Rumpfes hatten sich Bienennester gebildet, Monstera Pflanzen wuchsen aus dem Heck und von den Tragflächen tropfte langsam Wasser auf den feuchten Boden.
Natürlich verloren wir dort komplett jedes Zeitgefühl. Fast zwei Stunden fotografierten wir das Wrack aus allen Perspektiven, ließen die Drohne steigen und erkundeten vorsichtig die Umgebung. Für uns fühlte sich das Ganze weniger wie eine normale Reise an und mehr wie eine Szene aus Tomb Raider oder Indiana Jones an nur mit deutlich mehr Mücken, Schlamm und der permanenten Angst, dass irgendwo plötzlich etwas durchs Unterholz krabbelt.
Das Verrückteste war aber die Stimmung dieses Ortes. Trotz der Geschichte wirkte das Flugzeug nicht traurig oder bedrohlich. Eher friedlich. Fast so, als hätte der Dschungel beschlossen, die Antonov langsam wieder aufzunehmen und sie zu einem Teil seiner Welt zu machen. Technik gegen Natur und am Ende gewinnt der Amazonas immer.
Zurück an der Biostation wurden wir erneut unglaublich herzlich empfangen. Gemeinsam mit den Forschern und Mitarbeitern aßen wir Reis, frisches Obst und einfache warme Gerichte. Währenddessen erzählten sie uns Geschichten über das Leben im Regenwald, über Tiere, Forschung und Nächte mitten im Dschungel. Trotz der Abgeschiedenheit fühlte sich alles erstaunlich familiär an. Doch eine Sache beschäftigte uns weiterhin: Wo waren eigentlich die Käfer? Bei dieser unglaublichen Artenvielfalt hatten wir bis dahin kaum welche gesehen. Als wir den Besitzer der Biostation fragten, grinste er nur und sagte:
„Wartet bis heute Nacht.“
Natürlich waren wir sofort neugierig. Also kehrten wir nach Einbruch der Dunkelheit erneut in den Regenwald zurück und plötzlich wirkte alles komplett anders. Der Amazonas bei Nacht war kein Ort mehr, sondern ein lebender Organismus. Überall bewegte sich etwas. Geräusche kamen aus allen Richtungen gleichzeitig. Es fühlte sich an, als würde der gesamte Wald pulsieren. Das erste Tier, das wir entdeckten, war eine riesige Kröte mitten auf dem Weg. Sie saß regungslos da und schaute uns an, als wären eigentlich wir die Eindringlinge hier. Kurz darauf fanden wir endlich die ersten Käfer. Manche glänzten metallisch im Licht unserer Taschenlampen, andere waren so perfekt getarnt, dass man sie erst auf den zweiten Blick erkannte. Gleichzeitig hing ein überraschend angenehmer Duft in der Luft. Direkt neben uns blühten weiße Orchideen, die im Licht unserer Lampen fast leuchteten und dem Dschungel etwas völlig Surreales verliehen. Und natürlich kamen wir irgendwann auf die völlig normale und überhaupt nicht verrückte Idee, mitten in der Nacht noch einmal zum Flugzeugwrack zurückzukehren.
Rückblickend war das wahrscheinlich einer der aufregendsten Momente der gesamten Reise. Mitten im Amazonasregenwald, umgeben von absoluter Dunkelheit, während überall Geräusche aus dem Wald kamen. Unsere Taschenlampen beleuchteten immer nur kleine Teile der Umgebung, alles andere blieb tiefschwarz. Als wir schließlich sogar in das Innere des Flugzeugs kletterten, wurde die Situation endgültig surreal. Kleine Fledermäuse hingen dicht an dicht von der Decke und beobachteten uns regungslos. Das Metall knarrte leise, Pflanzen wuchsen durch die Fensteröffnungen und überall roch es nach feuchtem Moos und rostigem Metall. Irgendwann standen wir einfach nur still da und mussten selbst lachen, weil wir beide genau wussten:
Das hier ist vollkommen verrückt. Aber genau deshalb würden wir diesen Moment wahrscheinlich niemals vergessen. Es war unsere letzte Nacht im Amazonas und gleichzeitig einer dieser seltenen Augenblicke, die sich nicht wie Realität anfühlen, sondern eher wie ein Traum, den man irgendwann einmal hatte und plötzlich wirklich erlebt.
Tag 18-20 – Zurück nach Cusco (15.02.-17.02.)
Nach dem Frühstück verabschiedeten wir uns früh am Morgen von unserem ersten Abschnitt im Amazonas. Obwohl wir nur zwei Tage in Pilcopata und rund um die Manu Biostation verbracht hatten, fiel uns der Abschied überraschend schwer. In dieser kurzen Zeit hatten wir das Gefühl bekommen, in eine völlig andere Welt eingetaucht zu sein eine Welt aus Nebel, Dschungelgeräuschen, Abenteuer und völliger Abgeschiedenheit. Doch lange blieb keine Zeit für Wehmut, denn schon kurz nach dem Start dominierte wieder dieses vertraute Gefühl aus Adrenalin, Faszination und Vorfreude auf die erneut spektakuläre Strecke zurück durch den Regenwald und hinauf in die Anden.
Nach den aufregenden Tagen im Amazonas machten wir uns früh am Morgen auf die lange Rückfahrt nach Cusco. Obwohl die Strecke nur etwa 250 Kilometer betrug, dauerte die Fahrt erneut rund acht Stunden. Die Straßen führten durch endlose Kurven, vorbei an tiefen Schluchten, kleinen Dörfern und beeindruckenden Berglandschaften. Immer wieder wechselte die Umgebung vom dichten Grün des Regenwaldes zurück hinauf in die kühleren Höhen der Anden.
Je näher wir Cusco kamen, desto unwirklicher fühlte sich der Kontrast an. Noch in der Nacht zuvor standen wir mitten im lauten, wilden Dschungel zwischen Fledermäusen, tropischen Pflanzen und den Geräuschen des Amazonas, nun fuhren wir wieder durch historische Straßen und belebte Plätze einer alten Andenstadt.
Gegen 18:30 Uhr gaben wir schließlich den Mietwagen am Plaza San Francisco in Cusco zurück und checkten anschließend im MOAF Cusco Boutique Hotel ein. Nach all den Abenteuern im Regenwald, den Rainbow Mountains und Waqrapukara fühlte sich das warme Zimmer und eine richtige Dusche wie purer Luxus an. Trotzdem merkten wir schnell, dass uns die Geräusche des Amazonas irgendwie fehlten das ständige Summen, Rascheln und die unzähligen Stimmen des Waldes.
Auszeit in Cusco
Die nächsten beiden Tage standen ganz im Zeichen von Entschleunigung. Zum ersten Mal seit über einer Woche gab es keine stundenlangen Fahrten über Schotterpisten, keine Wanderungen auf über 4000 Metern Höhe und keine Expeditionen tief hinein in den Dschungel. Stattdessen warteten genau die Dinge auf uns, die man nach so vielen Abenteuern irgendwann wieder zu schätzen lernt: guter Kaffee, fantastisches Essen, entspannte Spaziergänge und das einfache Gefühl, einmal nichts planen zu müssen.
Cusco war dafür der perfekte Ort. Die ehemalige Hauptstadt des Inkareichs hat eine ganz besondere Atmosphäre. Zwischen kolonialen Gebäuden, alten Inkamauern und engen Kopfsteinpflastergassen wirkt die Stadt gleichzeitig lebendig und historisch. An jeder Ecke entdeckt man kleine Innenhöfe, Cafés oder kunstvoll verzierte Balkone. Und egal wohin man schaut, irgendwo erzählen Mauern oder Plätze Geschichten aus einer längst vergangenen Zeit.
Wir verbrachten die Tage damit, einfach loszulaufen und uns treiben zu lassen. Morgens begann alles meistens mit richtig gutem Kaffee. Cusco hat eine unglaublich gute Café Kultur, überall findet man kleine Specialty Coffee Cafés mit Bohnen aus den verschiedenen Regionen Perus. Danach ging es weiter durch die Stadt vorbei an kleinen Märkten, Museen und versteckten Gassen, in denen man ständig neue Details entdeckte.
Natürlich besuchten wir auch weitere Inka Stätten rund um Cusco. Selbst mitten in der Stadt stößt man überall auf die präzise Steinbaukunst der Inka. Riesige Steinblöcke, perfekt ineinandergefügt, ohne Mörtel und trotzdem seit Jahrhunderten stabil. Besonders faszinierend war dieser Kontrast zwischen der alten Inkakultur und den kolonialen Gebäuden, die später darauf errichtet wurden.
Zwischendurch machten wir immer wieder Pausen in kleinen Restaurants oder Cafés. Nach einiger Zeit entdeckten wir schließlich sogar ein kleines Katzencafé. Schon die Idee fanden wir großartig. Man zahlte einen kleinen Eintritt, der direkt den Katzen und der Einrichtung zugutekam. Im Grunde saßen wir einfach in einem gemütlichen Café, während überall Katzen herumliefen, auf Sesseln schliefen oder sich streicheln ließen. Es war unglaublich beruhigend, die Tiere um sich zu haben. Ihr müsst wissen: Zuhause haben wir selbst drei Kater. Nach fast drei Wochen Reise merkten wir plötzlich, wie sehr wir unsere eigenen Katzen vermissten. Umso schöner war es, einfach für eine Weile zwischen schnurrenden Katzen zu sitzen, Kaffee zu trinken und kurz komplett zur Ruhe zu kommen.
Gleichzeitig lag aber auch schon wieder Vorfreude in der Luft. Denn so schön diese ruhigen Tage in Cusco auch waren, wussten wir beide ganz genau: Das nächste große Abenteuer wartete bereits. Schon bald würden wir von Cusco über Lima weiter nach Iquitos fliegen mitten hinein ins Herz des Amazonasgebiets.
Ofrenda Cusco
Als es langsam dunkel wurde und die Lichter in Cusco angingen, bekamen wir wieder richtig Hunger. Lange überlegen mussten wir diesmal allerdings nicht, denn wir wussten bereits genau, wo wir den Abend verbringen wollten: im Ofrenda. Schon ein paar Tage zuvor hatte uns dieses Restaurant komplett begeistert und auch an den nächsten beiden Abenden zog es uns wieder dorthin zurück.
Das Ofrenda hatte einfach diese besondere Atmosphäre, die man nur selten findet. Warmes Licht fiel aus den Fenstern auf die Straßen Cuscos, drinnen war alles stilvoll, gemütlich und gleichzeitig stark von der peruanischen Kultur inspiriert. Die Mischung aus modernem Ambiente und traditionellen Einflüssen machte den Ort unglaublich besonders. Nach den vielen Eindrücken der letzten Wochen fühlte sich dieses Restaurant fast wie ein kleiner Ruhepol mitten in der Stadt an.
Wir setzten uns erneut an einen der Tische, bestellten verschiedene Gerichte und ließen die vergangenen Tage noch einmal Revue passieren. Den wilden Amazonas mit seinen unzähligen Geräuschen. Die endlosen Straßen durch die Anden. Das verlassene Flugzeug mitten im Dschungel. Machu Picchu im Regen mit dem Regenbogen über den Ruinen. Und jetzt saßen wir hier mitten in Cusco, mit gutem Essen und einem Glas Wein vor uns.
Das Essen war wieder absolut außergewöhnlich. Frisch, kreativ und voller Geschmack. Man merkte sofort, wie viel Wert dort auf regionale Zutaten und die moderne Interpretation der peruanischen Küche gelegt wird. Nicht ohne Grund hatte das Ofrenda bei Google fast ausschließlich perfekte Bewertungen. Und wir verstanden nach jedem weiteren Besuch ein bisschen mehr, warum.
Während draußen langsam Ruhe in Cusco einkehrte und die Straßen leerer wurden, blieben wir oft noch lange sitzen. Genau diese Abende waren es, die die Reise so besonders machten. Nicht nur die großen Abenteuer oder spektakulären Orte, sondern auch diese ruhigen Momente zwischendurch, gutes Essen, entspannte Gespräche und das Gefühl, gemeinsam gerade etwas Unvergessliches zu erleben.
Tag 20 + 21 – Der Flug nach Iquitos und ein verlorener Tag (18.02. + 19.02.)
An diesem Tag klingelte der Wecker bereits um 04:00 Uhr morgens. Uns stand ein langer Reisetag bevor zumindest dachten wir das. Dass daraus am Ende ein kompletter verlorener Tag werden würde, ahnten wir zu diesem Zeitpunkt allerdings noch nicht.
Verschlafen machten wir uns früh auf den Weg zum Flughafen in Cusco. Die Stadt lag noch ruhig und dunkel zwischen den Bergen, während wir bereits voller Vorfreude auf den letzten großen Abschnitt unserer Peru Reise waren: Iquitos mitten im Amazonasgebiet. Eigentlich sollte alles entspannt ablaufen. Flug von Cusco nach Lima, kurzer Zwischenstopp und dann weiter Richtung Iquitos. Gegen Mittag wollten wir eigentlich schon mitten im Amazonas ankommen.
Doch bereits beim Check in merkten wir, dass irgendetwas nicht stimmte. Die Stimmung am Gate war seltsam. Immer mehr Menschen standen wartend herum, alle blickten aus den Fenstern auf das Rollfeld doch weit und breit war kein Flugzeug zu sehen. Anfangs dachte man noch an eine kleine Verspätung. Dann wurden aus Minuten plötzlich Stunden.
Irgendwann kam die Nachricht: Unser Flug hatte massive Verspätung. Und zwar nicht ein oder zwei Stunden sondern ganze zehn Stunden. Spätestens da war klar, dass wir unseren Anschlussflug in Lima nach Iquitos niemals mehr erreichen würden.
Was danach folgte, war pures Flughafen Chaos. Umbuchungen, Warteschlangen, Diskussionen, neue Tickets und ständiges Hoffen, irgendwie doch noch weiterzukommen. Zwischendurch saßen wir völlig übermüdet am Flughafen von Lima und mussten fast schon darüber lachen, wie absurd dieser Tag inzwischen geworden war. Draußen wurde es langsam dunkel und wir waren immer noch nicht dort, wo wir eigentlich längst hätten sein sollen.
Erst gegen 21 Uhr kamen wir schließlich doch noch in Iquitos an mitten im Amazonas. Eigentlich hätten wir bereits viele Stunden zuvor dort sein sollen. Ein kompletter Reisetag war damit praktisch verloren gegangen.
Natürlich war das ärgerlich, gerade weil Zeit auf solchen Reisen unglaublich wertvoll ist. Aber gleichzeitig merkten wir auch, wie dankbar wir trotz allem waren. Bis hierhin hatten wir bereits so viele unfassbare Dinge erlebt: die Anden, Machu Picchu, den Amazonas, verlassene Flugzeuge im Dschungel und unzählige Abenteuer auf den Straßen Perus. Da gehörte so ein chaotischer Reisetag am Ende irgendwie auch dazu. Und ganz ehrlich: Heute erinnern wir uns fast genauso sehr daran wie an viele der perfekten Tage.
Paradies im Paradies
Unsere Unterkunft für die nächsten Nächte war das Malecón Maldonado 251 und schon beim ersten Betreten wussten wir, dass dieser Ort etwas ganz Besonderes werden würde. Vom Bett aus hatten wir einen direkten Blick auf den Amazonas. Einfach morgens die Augen öffnen und auf den gewaltigen Fluss schauen zu können, fühlte sich fast unwirklich an.
Direkt vor unserer Unterkunft standen am Ufer einfache, selbstgebaute Holzhäuser der Einheimischen. Es waren keine perfekten Häuser, sondern Konstruktionen aus Holz, Baumstämmen und Wellblech, gebaut mit dem, was die Menschen hier zur Verfügung hatten. Immer wieder beobachteten wir vom Balkon oder aus dem Zimmer heraus, wie die Bewohner an ihren Häusern arbeiteten. Männer schleppten schwere Baumstämme heran und schoben sie unter die Plattformen, um die Häuser weiter auszubauen oder zu stabilisieren. Gleichzeitig standen zwei kleine Jungen bis zu den Knien im Amazonas und entfernten mit langen Ästen Wasserpflanzen aus dem Uferbereich, damit überhaupt weitergebaut werden konnte.
Diese Szenen wirkten auf uns unglaublich surreal. Während wir dort mit Blick auf den Amazonas saßen, sahen wir direkt vor uns Menschen, die mit einfachsten Mitteln ihr Zuhause erschufen. Kinder, die schon früh mithelfen mussten. Familien, die mitten am Fluss lebten und ihren Alltag komplett an die Natur angepasst hatten. Es war faszinierend, beeindruckend und gleichzeitig sehr demütigend zu sehen.
Doch nicht nur der Ausblick machte diese Unterkunft so besonders. Wir haben dort wirklich wunderschöne Stunden verbracht. Nach unseren Tagen voller Abenteuer auf dem Amazonas oder nach den wilden Eindrücken aus Iquitos saßen wir abends oft einfach nur auf dem Balkon und schauten hinaus auf den Fluss. Manchmal färbte die untergehende Sonne den Himmel orange und rot, während langsam Boote über den Amazonas glitten. An anderen Abenden regnete es stundenlang und wir saßen einfach draußen, hörten dem Regen zu und tranken dazu ein Glas peruanischen Rotwein.
Diese Momente waren fast genauso besonders wie die großen Abenteuer selbst. Keine Hektik, kein Plan einfach nur der Regen, die Geräusche des Amazonas, die warme Luft und dieses Gefühl, unglaublich weit weg vom Alltag zu sein. Rückblickend waren genau diese stillen Abende auf dem Balkon einige der schönsten und intensivsten Erinnerungen der ganzen Reise.
Erkundung in Iquitos
Die kommenden Tage verbrachten wir in Iquitos der größten Stadt der Welt, die nicht über Straßen erreichbar ist. Alle Wege führen hier entweder über den Fluss oder durch die Luft. Genau das verleiht der Stadt eine ganz eigene Atmosphäre. Alles wirkt ein wenig isolierter, wilder und gleichzeitig unglaublich lebendig. Nach den ruhigen Tagen in Cusco fühlte sich Iquitos sofort wieder wie ein kleines Abenteuer an.
An unserem ersten Tag nach der Ankunft liefen wir einfach ohne festen Plan durch die Straßen der Stadt. Überall herrschte Leben: Motorräder rasten vorbei, aus kleinen Läden drang Musik und zwischen kolonialen Gebäuden und bunten Fassaden lagen immer wieder kleine Gassen, in denen man neue Dinge entdecken konnte. Während wir durch die Straßen schlenderten, sprach uns plötzlich ein freundlicher Peruaner an und machte uns auf ein Museum aufmerksam. Er wirkte sympathisch und herzlich, also beschlossen wir spontan, ihm zu folgen.
Das Museum befand sich in einem historischen Gebäude aus dem 19. Jahrhundert im neoklassizistischen Stil. Schon die Architektur allein war beeindruckend. Am Eingang mussten wir uns zunächst in ein großes Buch eintragen, bevor wir die Ausstellung betreten durften. Kurz darauf liefen wir bereits durch die verschiedenen Räume und waren sofort fasziniert davon, wie viel es über die Kulturen des Amazonas zu entdecken gab.
Besonders eindrucksvoll waren die lebensgroßen Figuren indigener Völker wie der Shipibo, Bora oder Yagua. Die detailreichen Darstellungen zeigten traditionelle Kleidung, Körperbemalungen und typische Merkmale der jeweiligen Kulturen. Man bekam schnell ein Gefühl dafür, wie unterschiedlich die einzelnen Gemeinschaften lebten und wie eng ihr Alltag mit dem Regenwald verbunden war.
Die Ausstellung zeigte Werkzeuge, Jagdmethoden, spirituelle Rituale und Geschichten einzelner Stämme. Besonders spannend fanden wir die Einblicke in das enorme Wissen der indigenen Völker über Pflanzen, Medizin und die Natur des Amazonas. Ein Teil des Museums widmete sich außerdem alten Mythen und Ritualen. Dabei wurde auch das Thema Kannibalismus sachlich angesprochen allerdings nicht sensationslustig, sondern historisch eingeordnet. Es wurde erklärt, dass solche Praktiken, soweit sie überhaupt historisch nachweisbar sind, meist rituelle oder symbolische Bedeutungen hatten und nichts mit den Vorstellungen zu tun haben, die man heute oft damit verbindet.
Der Museumsbesuch war unglaublich spannend, weil er einem zeigte, wie komplex und vielfältig die Kulturen des Amazonas tatsächlich sind. Gleichzeitig wurde einem bewusst, wie falsch viele vereinfachte Klischees über indigene Völker eigentlich sind.
Belen-Markt
Nach dem Museumsbesuch ging es weiter zum berühmten Belén Markt einem der wohl verrücktesten Orte, die wir jemals gesehen haben. Schon beim Ankommen wurden wir von einer Mischung aus Geräuschen, Gerüchen und Farben völlig überwältigt. Es fühlte sich weniger wie ein normaler Markt an und mehr wie eine eigene kleine Welt mitten im Amazonas.
Zwischen engen Gassen und dicht gedrängten Ständen entdeckten wir Dinge, die wir zuvor noch nie gesehen hatten. Kräuter und Wurzeln wurden uns als Heilmittel gegen Hautkrankheiten erklärt, daneben standen Flaschen mit intensiv duftenden Flüssigkeiten wie Patchouli, traditionelle Medizin, Blüten und unzählige unbekannte Produkte aus dem Regenwald. Zwischen den Ständen lagen riesige Fische, Welse und sogar Krokodilfleisch. Daneben türmten sich exotische Früchte und Gemüsesorten, deren Namen wir teilweise nicht einmal kannten. Besonders spannend fanden wir Aguaje eine Frucht mit einem unglaublich ungewöhnlichen Geschmack irgendwo zwischen Karamell und Pfirsich.
Je tiefer wir in den Markt eintauchten, desto verrückter wurde alles. Ganze Bereiche waren ausschließlich der Naturmedizin gewidmet. Überall lagen Pulver, Rinden, Öle und mystische Heilmittel ausgestellt. Für jedes Problem schien es hier eine Lösung zu geben. Manche Stände verkauften kleine Amulette, andere getrocknete Pflanzen oder Baumrinden. Dann kamen die Essensstände. Frauen kochten direkt vor Ort einfache Gerichte mit Reis, Fisch oder Huhn, während überall der Duft von gebratenem Essen durch die warme Luft zog. Nebenan wurden geräuchertes Fleisch, Wild und teilweise Tiere aus dem Dschungel verkauft Dinge, die man bei uns wahrscheinlich niemals auf einem Markt sehen würde.
Besonders beeindruckend war die direkte Verbindung zum Fluss. Teile des Belén Marktes liegen unmittelbar am Wasser und verwandeln sich je nach Jahreszeit fast in eine schwimmende Stadt. Händler kommen mit kleinen Booten direkt aus dem Dschungel angefahren und verkaufen ihre Waren unmittelbar vom Kanu aus frischer geht es kaum.
Der Belén Markt war laut, chaotisch, manchmal fast überwältigend aber genau das machte ihn so faszinierend. Es war einer dieser Orte, an denen man nicht nur zuschaut, sondern das Gefühl bekommt, das echte Leben im Amazonas ein kleines Stück weit zu verstehen.
Nach dem Markt fuhren wir noch ein Stück mit dem Boot entlang der Ufer von Belén. Vom Wasser aus wirkte alles noch einmal ganz anders. Kleine Häuser standen direkt auf Stelzen am Fluss, Kinder spielten am Wasser und überall waren Boote unterwegs. Als langsam die Sonne unterging und der Himmel sich orange färbte, machten wir uns schließlich wieder auf den Rückweg ein weiterer Tag voller Eindrücke, die wir wahrscheinlich nie vergessen werden.
500.000
Einwohner
Hauptstadt der Region Loreto
19. Jahrhundert
Kautschukboom
Damals galt die Stadt zeitweise als eine der reichsten Regionen Südamerikas.
per Boot
...oder Flugzeug
Iquitos liegt mitten im peruanischen Amazonasgebiet und gilt als die größte Stadt der Welt, die nicht über Straßen erreichbar ist. Man gelangt nur per Flugzeug oder Boot dorthin.
Fakten über Iquitos
Iquitos war außerdem Drehort für Werner Herzogs berühmten Film „Fitzcarraldo“. Für den Film wurde tatsächlich ein echtes Schiff über einen Hügel im Dschungel gezogen.
Rund um Iquitos beginnt eines der artenreichsten Ökosysteme der Erde. In den umliegenden Regenwäldern leben rosa Flussdelfine, Faultiere, Anakondas, Kaimane, Tukane und unzählige Insektenarten. Während der Regenzeit steigen die Flüsse so stark an, dass ganze Stadtteile von Belén zu schwimmenden Siedlungen werden. Menschen bewegen sich dann mit kleinen Booten durch die Straßen. Das Klima ist ganzjährig heiß und extrem feucht. Temperaturen zwischen 28 und 35 Grad sind völlig normal, oft begleitet von heftigen tropischen Regenschauern.
Tag 22 – Amazonas Expedition (20.02.)
Heute stand endlich eine ganztägige Expedition auf dem Hauptfluss des Amazonas an. Genau auf diesen Moment hatten wir uns seit Beginn der Reise gefreut. Wir wollten tief hinein in den Regenwald, Tiere beobachten und den Amazonas wirklich erleben und wir sollten definitiv nicht enttäuscht werden.
Schon früh am Morgen trafen wir unseren Guide und den Bootsfahrer am Ufer. Gemeinsam machten wir uns mit einem langen Holzboot auf den Weg immer tiefer hinein in das endlose Flusssystem rund um Amazonas. Bereits die ersten Minuten auf dem Wasser fühlten sich surreal an. Der Amazonas wirkte viel größer, rauer und lebendiger, als wir ihn uns vorgestellt hatten. Das Wasser war nicht ruhig oder friedlich, sondern kraftvoll, hektisch und ständig in Bewegung. Immer wieder wurde unser Boot von der Strömung leicht versetzt, während riesige Baumstämme langsam an uns vorbeitrieben.
Je weiter wir fuhren, desto mehr hatte man das Gefühl, in eine völlig andere Welt einzutauchen. Am Ufer sahen wir Familien, die mit ihren Kindern im Wasser standen und angelten, als wäre es das Normalste der Welt. Kleine Holzboote kreuzten unseren Weg, beladen mit riesigen Bergen aus Bananen, Früchten und Waren für die Märkte von Iquitos. Manche Boote wirkten wie schwimmende Supermärkte mitten im Dschungel.
Besonders spannend waren die alten, verlassenen Bootswracks entlang des Flusses. Rostige Metallkörper ragten halb aus dem Wasser oder lagen schief im Schlamm des Ufers. Unser Guide erklärte uns, dass einige davon früher tatsächlich für Drogenschmuggel genutzt wurden. Viele seien irgendwann aufgegeben worden nachdem Motoren versagten, Boote beschlagnahmt wurden oder die Natur sie einfach verschluckte. Diese Wracks mitten im Amazonas hatten etwas unglaublich Düsteres und Faszinierendes zugleich. Auf dem Rückweg am Abend fotografierten wir sie noch einmal bei wunderschönem Licht während die untergehende Sonne alles in warme Orangetöne tauchte.
Die Affeninsel
Nach einiger Zeit erreichten wir schließlich die berühmte Isla de los Monos die sogenannte Affeninsel. Und dort dauerte es keine zwei Sekunden bis das erste Highlight passierte. Ein kleiner Wollaffe sprang mir plötzlich direkt auf die Schulter als würde er mich schon seit Jahren kennen. Offenbar mochte er mich sofort. Ich war komplett überrascht und musste gleichzeitig lachen. Kurz darauf sprang derselbe Affe weiter auf Lucas Rucksack und fing blitzschnell an in der Seitentasche herumzuwühlen. Bevor wir reagieren konnten hatte er bereits das Mückenspray in der Hand. Luca reagierte zum Glück schnell genug und schnappte es ihm wieder weg. Der Affe schaute uns danach kurz an als würde er ernsthaft überlegen ob sich ein zweiter Versuch lohnt. Wir konnten uns vor Lachen kaum noch halten.
Während wir weiter über die Insel liefen erklärte uns unser Guide, dass dort mehrere gerettete Affenarten leben. Viele Tiere wurden früher als Haustiere gehalten oder von Wilderern eingefangen und später gerettet. Manche Affen bewegten sich neugierig und verspielt über die Insel während andere deutlich vorsichtiger wirkten. Besonders beeindruckend war zu sehen mit wie viel Hingabe sich die Menschen dort um die Tiere kümmern.
Anschließend liefen wir tiefer in den Dschungel der Insel hinein auf der Suche nach kleinen Tamarinen. Diese winzigen Affen gehören zu den kleinsten Primaten der Region rund um Iquitos. Leider hatten wir an diesem Tag kein Glück. Unser Guide erklärte uns lachend dass Tamarine meistens genau dann auftauchen wenn niemand nach ihnen sucht. Trotzdem war allein der Weg durch den dichten Dschungel ein Erlebnis. Überall knackte und raschelte es zwischen den Bäumen während über unseren Köpfen unzählige Geräusche des Regenwaldes zu hören waren.
Eine Tierauffangstation
Danach ging unsere Expedition weiter zu einer weiteren Tierauffangstation mitten am Amazonas. Dort wartete direkt das nächste Highlight auf uns. In einem großen Wasserbecken lebten riesige Arapaimas einer der größten Süßwasserfische der Welt. Diese Tiere können mehrere Meter lang werden und wirken beinahe prähistorisch. Wir durften sie sogar füttern. Kaum hielten wir das Futter ins Wasser schossen die gigantischen Fische mit unglaublicher Kraft an die Oberfläche. Das Wasser explodierte förmlich vor uns. Besonders verrückt war der Moment als ich einen der Arapaimas sogar streicheln durfte. Die Haut fühlte sich gleichzeitig glatt und unglaublich fest an.
Doch damit war der Tag noch lange nicht vorbei. Wenig später hielt ich plötzlich ein Faultier auf dem Arm. Und ehrlich gesagt hatten wir beide niemals erwartet wie leicht so ein Faultier tatsächlich ist. Komplett entspannt hing es einfach da als hätte es absolut keinen Stress auf dieser Welt. Kurz darauf saß ein Papagei auf unserer Schulter und wenig später hatte ich sogar eine Schlange um den Hals. Irgendwie war der gesamte Tag ein permanenter Wechsel zwischen absolutem Staunen, purem Abenteuer und Momenten in denen wir einfach nur lachen mussten weil alles so surreal wirkte.
Auf dem Rückweg über den Amazonas wurde das Licht immer schöner. Die Sonne stand tief über dem Fluss, die alten Bootswracks tauchten erneut am Ufer auf und der gesamte Regenwald leuchtete in goldenen Farben. Während wir langsam zurück Richtung Iquitos fuhren wurde uns klar wie besonders dieser Tag eigentlich gewesen war. Nicht nur wegen der Tiere oder der Orte sondern wegen dieses Gefühls mitten im Amazonas unterwegs zu sein weit entfernt von allem was man aus dem Alltag kennt.
Videozeit in Iquitos
Hier könnt ihr unser Video aus unserer Zeit in Iquitos mitten im peruanischen Amazonas ansehen. Die Aufnahmen zeigen noch einmal sehr gut, wie intensiv und besonders diese Tage für uns wirklich waren. Iquitos fühlte sich komplett anders an als der Rest der Reise. Lauter, wilder, tropischer und voller Leben.
Im Video seht ihr den berühmten Belénmarkt, auf dem man zwischen engen Gassen, kleinen Garküchen, exotischen Früchten und Naturmedizin schnell das Gefühl bekommt, in eine völlig andere Welt einzutauchen. Direkt daneben beginnt bereits der Amazonas mit seinen Booten, schwimmenden Häusern und dem täglichen Leben am Fluss.
Außerdem begleiten euch die Aufnahmen auf unsere große Bootsexpedition tief hinein in den Amazonasregenwald. Gemeinsam mit unserem Guide waren wir stundenlang auf dem Wasser unterwegs und konnten unzählige Tiere beobachten. Immer wieder tauchten entlang des Flusses alte und verlassene Bootswracks auf, die dem Ganzen eine fast filmreife Atmosphäre verliehen haben.
Das Video zeigt aber nicht nur Abenteuer, sondern auch die besonderen Momente dazwischen. Sonnenuntergänge am Amazonas, warme Abende entlang der Promenade, kleine Bars direkt am Wasser und dieses besondere Gefühl, mitten im größten Regenwald der Erde unterwegs zu sein.
Mit dem Video möchten wir euch einen möglichst ehrlichen Eindruck davon geben, wie sich unsere Zeit in Iquitos angefühlt hat und warum uns dieser Ort bis heute so fasziniert.
Viel Spaß beim Anschauen.
Tag 23 + 24 – Die Geschichte von Iquitos (21.02. + 22.02.)
Die letzten beiden Tage unserer Reise standen langsam bevor und genau deshalb wollten wir noch so viel wie möglich von diesem besonderen Ort aufsaugen. Nicht nur den Amazonas selbst, sondern auch die Geschichte, die hinter Iquitos steckt. Also machten wir uns nach dem Frühstück auf den Weg durch die Stadt und entdeckten dabei eines der spannendsten Museen der gesamten Reise: das Museo Barco Histórico Ayapua.
Schon von außen wirkte das alte Dampfschiff beeindruckend. Direkt am Flussufer liegend sah es aus, als wäre es gerade erst von einer langen Reise über den Amazonas zurückgekehrt. Früher transportierte das Schiff Waren und Menschen durch das riesige Flusssystem des Amazonas. Heute wurde es zu einem schwimmenden Museum umgebaut und genau das machte die Atmosphäre dort so besonders.
Sobald wir das Schiff betraten, fühlte es sich an, als würden wir plötzlich hundert Jahre in die Vergangenheit reisen. Aus alten Lautsprechern lief ruhige Musik, die perfekt zur Stimmung passte. Knarzende Holzböden, warmes Licht und die engen Gänge des Dampfschiffs sorgten dafür, dass man sich fast wie ein Passagier zu Beginn des 20. Jahrhunderts fühlte.
Museo Barco Histórico Ayapua
Im Inneren gab es unzählige kleine Ausstellungsräume voller Geschichten, Karten und alter Fotografien. Besonders spannend waren die historischen Karten des Amazonasgebiets. Erst dort wurde uns wirklich bewusst, wie gigantisch und unübersichtlich dieses Flusssystem eigentlich ist. Tausende Kilometer Wasserwege mitten im Dschungel wie ein eigenes verborgenes Universum.
Das Museum erzählte außerdem die Geschichte der frühen Entdecker und Inquisitoren, die sich einst durch die unbekannten Regionen Südamerikas kämpften. Es ging um die ersten Expeditionen entlang des Amazonas und darum, wie schwer und gefährlich diese Reisen damals gewesen sein müssen. Besonders faszinierend fanden wir die Geschichten über Alexander von Humboldt der für Luca schon immer ein absolutes Idol war. Humboldt erforschte große Teile Südamerikas und gilt bis heute als einer der bedeutendsten Naturforscher überhaupt. Seine Reisen legten den Grundstein für viele wissenschaftliche Erkenntnisse über Klima, Pflanzenwelt und Ökosysteme des Kontinents. Für Luca war es etwas ganz Besonderes plötzlich mitten im Amazonasgebiet mehr über genau diese Expeditionen zu erfahren.
Am spannendsten war für uns aber die Geschichte des Kautschukbooms der Iquitos überhaupt erst entstehen ließ. Ende des 19. Jahrhunderts wurde Naturkautschuk plötzlich weltweit extrem wertvoll. Durch die industrielle Revolution stieg die Nachfrage enorm an vor allem wegen Reifen, Maschinen und neuer Technologien. Iquitos wurde damals zu einer der reichsten Städte Südamerikas obwohl sie mitten im Dschungel lag. Wohlhabende Kautschukbarone ließen prachtvolle Häuser bauen importierten Luxusgüter aus Europa und verwandelten die abgelegene Stadt zeitweise in eine boomende Metropole mitten im Amazonas.
Doch hinter diesem Reichtum steckte auch eine dunkle Geschichte. Viele indigene Menschen wurden ausgebeutet und unter grausamen Bedingungen zur Arbeit gezwungen. Das Museum zeigte diese Zeit nicht romantisiert sondern sehr ehrlich und genau das machte den Besuch so eindrucksvoll. Man verstand plötzlich dass Iquitos nicht einfach nur eine abgelegene Amazonasstadt ist sondern ein Ort voller Geschichte Abenteuer und Gegensätze.
Wir verbrachten erstaunlich lange auf diesem alten Schiff weil es sich weniger wie ein normales Museum anfühlte und mehr wie eine Reise durch verschiedene Epochen des Amazonas. Während draußen der mächtige Fluss vorbeizog standen wir zwischen alten Maschinen historischen Fotografien und Geschichten vergangener Expeditionen und merkten wieder einmal wie unglaublich faszinierend dieser Teil Perus eigentlich ist.
Bars und Kultur in Iquitos
Die restliche Zeit in Iquitos verging fast ein wenig zu schnell. Nach all den großen Expeditionen, langen Fahrten und unzähligen Eindrücken genossen wir es, die letzten Tage etwas ruhiger anzugehen. Immer wieder liefen wir entlang der Promenade am Amazonas, beobachteten die Boote auf dem Fluss und ließen diese besondere Atmosphäre der Stadt einfach auf uns wirken. Tagsüber war dort ständig Bewegung: Händler, Straßenmusiker, Familien und kleine Essensstände direkt am Wasser. Abends verwandelte sich die Promenade dann in einen unglaublich lebendigen Ort voller Musik, Lichter und warmem tropischem Wind.
Wir probierten noch einmal alles, worauf wir Lust hatten exotische Gerichte aus dem Amazonasgebiet, frische Säfte, Cocktails und natürlich immer wieder peruanische Spezialitäten. Irgendwie hatte jeder Abend in Iquitos seine ganz eigene Stimmung. Mal saßen wir einfach nur am Wasser und beobachteten den Sonnenuntergang über dem Amazonas, mal verloren wir komplett das Zeitgefühl zwischen Gesprächen, Musik und dem wilden Leben dieser Stadt.
Ein Ort blieb uns dabei ganz besonders in Erinnerung: die Fitzcarraldo Bar. Schon beim Betreten spürte man sofort die besondere Atmosphäre. Dunkles Holz, alte Fotografien, Vintage-Dekoration und überall kleine Details, die an die berühmten Amazonas Expeditionen und den Film Fitzcarraldo erinnerten. Der Ort wirkte wie eine Mischung aus Abenteuerroman, kolonialer Geschichte und Amazonas Legende. Während draußen die schwüle Hitze über der Stadt lag, saßen wir dort mit Cocktails in der Hand, hörten Musik und blickten immer wieder auf den Fluss hinaus. Es war einer dieser Orte, an denen man automatisch langsamer wird und einfach nur den Moment genießt.
Acuario del Amazonas
Am letzten Tag stand für uns noch ein ganz besonderer Besuch an: das Aquarium of the Amazon Quistococha etwa eine halbe Stunde außerhalb von Iquitos mitten im tropischen Regenwald gelegen. Für Luca war dieser Ort fast wie ein kleiner Kindheitstraum. Aquaristik begleitet ihn schon seit frühester Kindheit und genau deshalb war es etwas Besonderes plötzlich mitten in der Heimat vieler bekannter Amazonasfische zu stehen.
Die Seitenarme und Schwarzwassergebiete rund um Iquitos gelten unter Aquarianern weltweit als eine Art El Dorado. Viele berühmte Zierfische stammen genau aus diesen Gewässern darunter verschiedene Diskusfische, Skalare, Panzerwelse, Salmler oder Zwergbuntbarsche. Arten die man sonst nur aus Aquarien oder Fachbüchern kennt leben hier tatsächlich frei im endlosen Amazonasgebiet.
Im Aquarium selbst konnten wir viele dieser Tiere aus nächster Nähe sehen. Riesige Arapaimas glitten langsam durch die Becken, Rochen bewegten sich lautlos über den Boden und unzählige kleinere Fischarten leuchteten in den unterschiedlichsten Farben. Besonders faszinierend war es zu sehen wie unglaublich vielfältig das Leben unter der Wasseroberfläche des Amazonas eigentlich ist. Während man draußen den riesigen braunen Hauptstrom sieht verbirgt sich darunter eines der artenreichsten Süßwasserökosysteme der Welt.
Schlusswort
Als wir ein Jahr später begannen, all diese Erinnerungen aufzuschreiben und die Reise noch einmal Stück für Stück aufzuarbeiten, wurde uns erst richtig bewusst, wie besonders Peru eigentlich für uns war. Wir haben in unserem Leben bereits viele Länder gesehen, unterschiedlichste Landschaften erlebt und unzählige Abenteuer gesammelt, doch kaum eine Reise hat sich so tief eingebrannt wie diese.
Peru war mehr als nur ein Reiseziel. Es war eine Reise voller Kontraste, Emotionen und Erlebnisse, die sich oft eher wie eine Expedition angefühlt haben als wie ein gewöhnlicher Urlaub. Zwischen den gewaltigen Gipfeln der Anden, einsamen Schotterpisten auf über 4000 Metern Höhe, uralten Inkastätten, dem dichten Amazonasregenwald und den chaotischen Straßen von Städten wie Cusco oder Iquitos fühlte sich jeder einzelne Tag anders an. Genau das machte diese Reise so einzigartig.
Wir denken zurück an die ersten Tage im Huaraz Gebirge, an schlaflose Nächte vor großen Wanderungen, an die dünne Luft in den Anden und an dieses Gefühl von Freiheit, wenn man stundenlang durch Landschaften fährt, ohne einem einzigen Menschen zu begegnen. Wir denken an Machu Picchu im Regen, an den Regenbogen über den Ruinen, an die verlassenen Straßenhunde in Aguas Calientes und an die vielen kleinen Momente dazwischen, die man niemals planen kann.
Besonders tief in Erinnerung geblieben ist uns aber auch der Amazonas. Stundenlange Fahrten durch Nebelwälder, der erste Blick auf den endlosen Fluss in Iquitos, die Geräusche des Dschungels bei Nacht und natürlich die alte Antonov mitten im Regenwald. Noch heute fühlt sich diese Szene unwirklich an. Überhaupt war Peru voller Orte, bei denen man sich fragte, ob das alles gerade wirklich passiert.
Doch neben all den spektakulären Landschaften und Abenteuern war es vor allem die Herzlichkeit der Menschen, die Peru für uns so besonders gemacht hat. Die Gespräche unterwegs, die kleinen Begegnungen, die Hilfsbereitschaft und die Offenheit der Menschen werden uns genauso in Erinnerung bleiben wie die großen Highlights der Reise.
Peru hat uns gezeigt, wie vielfältig ein einziges Land sein kann. Innerhalb weniger Wochen standen wir auf eisigen Pässen in den Hochanden, fuhren durch Nebelwälder, liefen durch tropischen Regenwald, erkundeten Wüstenlandschaften, alte Inkastätten und waren plötzlich mitten im größten Regenwald der Erde unterwegs. Kaum ein anderes Land vereint so viele unterschiedliche Welten auf einmal.
Und vielleicht ist genau das der Grund, warum uns diese Reise bis heute nicht loslässt. Peru hat unser Herz erobert. Nicht nur wegen der Orte, die wir gesehen haben, sondern wegen der Gefühle, die dieses Land in uns ausgelöst hat. Wegen dieser Mischung aus Abenteuer, Freiheit, Ehrfurcht und Dankbarkeit.
Es war eine Reise, die uns verändert hat. Und eine Reise, von der wir sicher wissen: Das war nicht das letzte Mal Peru.